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Der Begriff des Umgreifenden bei Karl Jaspers .doc

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Philosophy
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Diploma thesis
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Leopold-Franzens- Universität Innsbruck
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1982
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Der Begriff des Umgreifenden bei Karl Jaspers

EINLEITUNG

1. Vorgeschichte des Begriffs

Wenn wir mit Jaspers sagen Jede Philosophie war in der Tat eine Philosophie des Umgreifenden so bedeutet das selbstverständlich, dass dieser Begriff zu verschiedenen Zeiten und in verschiedenen Kulturen je eigentümlich gedacht oder erfahren wurde.

In der Philosophiegeschichte ist die unbedingte Realität des Umgreifenden unter sehr verschiedenen Aspekten beschrieben und benannt worden als Atman (das innere, unvergängliche Selbst) und Brahman (Weltgrund) in der alt-indischen Philosophie, als Tao in der altchinesischen Philosophie, als Logos, Unendliches, Wasser, Feuer, Luft, Sein und Gott bei den Vorsokratikern, als Kern der sittlichen Persönlichkeit bei Sokrates, als 'Idee des Guten' bei Platon, als 'unbewegter Beweger' bei Aristoteles, als 'das Eine' bei Plotin, als Gott oder Substanz bei Spinoza, als absolutes Ich bei Fichte, als Gott bei Jacobi, als absolute Indifferenz von Subjekt und Objekt und als Gott bei Schelling, als Geist, Weltgeist oder absoluter Begriff bei Hegel, als das 'Umgreifende' bei Jaspers, als transzendentale Intersubjektivität bei Husserl und als das Sein des Menschen bei Heidegger -

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Verfestigt sich das Denken in diesen ursprünglichen Bildern, so wird es notwendig, das Denken durch seine eigene Reflexion aus dieser Verfestigung wieder herauszuführen. Knauss meint, dies scheint schon bei Anaximander der Fall gewesen zu sein, dessen Begriff des Apeiron dem Umgreifenden schon sehr nahe käme.

Abgesehen von der Schwierigkeit, ob das Apeiron zu verstehen sei als Unendliches oder als Unbestimmtes, so scheint doch soviel gesichert zu sein, dass es von Anaximander in der Weise eines Umgreifenden aller in Ihm umfassten Elementarstoffe gedacht wurde. Und zwar nicht nur als einfache Summierung aller Dinge, sondern so, dass es alles durchdringt, beherrscht regelt.

Das Sein wird also wirklich als Sein und nicht als Menge aller seienden Dinge gedacht. Platon gab dem Denken eine letzte große Einheit unter dem Begriff der Idee, nicht in einem natürlich-kosmologischen Sinn, sondern logisch-ideal. Die Ideen sind nicht Wirklichkeit, sondern gehören zu dem, was wir seither Idealität nennen.

Diese Idealität ist eine umgreifende Einheit des Sinnlichen. Das Denken in Ideen stand für Plato aber noch einmal unter einem Umgreifenden, der höchsten Idee des Einen und Guten. Diese Idee der Ideen ist gewissermaßen auch ein Umgreifendes aller Umgreifenden.

 

2. Kant und die Idee des Umgreifenden

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Als ich in der Jugend Kants Ideenlehre studierte , wurde mir Kants Verfahren deutlich: Die Idee denkt er erstens in ihrer objektiven Bedeutung, zweitens als subjektive Triebkraft, drittens als methodischen Ursprung systematischer Forschung, Diese Idee verschiebt in dieser dreifachen Bedeutung, entsprechend dem Zusammenhang der Erörterungen, ihren Sinn, aber derart, dass ein Ganzes erwächst, in dem die Idee diesen notwendigen Wandel der Bedeutung durchmacht.

Damals schon stellt Jaspers als beherrschendes Prinzip folgende Ideenbildung heraus: das Unbedingte oder das Ganze zum Leitbild zu nehmen. Totalität und Unbedingtheit sind das Wesen der Idee. Dieses Wesen der Idee ist das letztlich Umgreifende von Subjekt und Objekt.

Die Idee bildet so gesehen den höchsten Punkt im Kantischen Denken, und diese Bedeutung der Idee wird von Jaspers ausdrücklich gegen die damals übliche Kant-Interpretation hervorgehoben, in der Kant auf die transzendentale Deduktion und die Kategorienproblematik beschränkt wurde. Für Jaspers ist der Ideenbegriff Kants, der ihn letztlich von Platon ableitet, stets Vorbild geblieben.

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Knauss meint: Der Kantische Grundgedanke der Subjekt-Objekt-Spaltung und sein ’Schluss’ vom Reich der Natur und der Freiheit auf ihre ’Einheit im Grunde’ jenseits aller Erkenntnismöglichkeit (am Anfang der Kritik der Urteilskraft) und seine Rede von der gemeinsamen Wurzel von Sinnlichkeit und Verstand rufen schließlich die Konzeption des Umgreifenden fast natürlich hervor.

Er bezeichnet Jaspers’ Philosophie als die natürliche Entwicklung des Kantischen Denkens unter gegenwärtigen Bedingungen...Was die Idee im Kantischen Sinn vom Umgreifenden unterscheidet, ist das inzwischen veränderte subjektive Bewusstsein. Für Kant hat die Philosophie den Charakter einer möglichen Wissenschaft, und ihre Begriffe - also auch die Ideen - erheben den Anspruch einer objektiven Strenge.

Sie sind nicht wie bei Jaspers aus der Grunderfahrung des Transzendierens abgleitet. Aber auch in seiner Ableitung des Begriffs, in dem Versuch das Umgreifende in seiner Vielfalt zu erhellen, kommt die Nähe zum Kantischen Denken deutlich zu Ausdruck. Es (das Umgreifende) sollte in Analogie zum kantischen transzendentalen Denken als Bedingung aller Möglichkeit vergewissert werden.

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Da unser Denken in jedem Augenblick an Gegenstände gebunden ist, kann von diesem Ungegenständlichen nur am Leitfaden gegenständlichen Denkens gesprochen werden. Das ist mir wiederum zuerst klar geworden an Kants Methode, wie er sie faktisch übt (ohne sie selber als solche auszusprechen). In seiner berühmten transzendentalen Deduktion der Möglichkeit aller Gegenständlichkeit und allen Erkennens geht er so vor, dass er am Leitfaden psychologischer, logischer, methodologischer, metaphysischer Objektivierungen das denkt, was keine von diesen Objektivierungen, aber Bedingung ihrer aller ist, das, was selber weder Subjekt noch Objekt ist.

Diese Art die Erscheinungshaftigkeit der Welt und des gesamten Daseins zu betrachten ist, so sagt Jaspers, von Kant zum ersten Mal zur vollen Klarheit gebracht worden, nachdem die Gedankenansätze dafür längst in Indien und im alten Griechenland da waren.

Die davon abgeleitete Unterscheidung in Wissenschaft und Philosophie ist von Kant noch nicht in der Weise, wie sie Jaspers macht, gesehen worden. Jaspers liegt es nicht daran zu trennen, vielmehr möchte er das, was sozusagen wissenschaftlich vollziehbar ist, erhellen durch das, was über die Wissenschaft hinausgeht, sie leitet und führt.


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