Dependenztheorie
Die Geschichte der Dependenztheorie
Der Ursprung der Dependenztheorie
liegt in Lateinamerika, wo in Mitte der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts
der Begriff der dependencia (Abhängigkeit) die entwicklungstheoretische
Diskussion prägte.
Aufgrund der wirtschaftlichen Stagnation zu Beginn der 60er
Jahre und den offenkundigen Schwierigkeiten der bis dahin verfolgten
Entwicklungsstrategien sollte Klarheit über den Charakter und die Ursachen der
Unterentwicklung in Lateinamerika geschaffen werden. Die zwei bis dahin in der
akademischen Diskussion dominierenden entwicklungstheoretischen Denkrichtungen,
die amerikanisch beeinflusste Modernisierungstheorie und die orthodoxe
marxistische Theorie, konnten keine Ansatzpunkte für eine situationsgerechte
Analyse bieten. (vgl. Boekh, A. 1982, S.134-135; Nohlen, D. 1991, S.158-159)
Dependenztheorie
Auf der Grundlage bestehender Theorien
(klassische Imperialismustheorie, Theorie der peripheren Wirtschaft etc.) und
älterer Denkansätze (u.a. lateinamerikanischer Gelehrter) entstand eine neue Forschungsrichtung,
die allerdings nie eine geschlossene Theorie der Unterentwicklung und
Entwicklung hervorbrachte.
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empirisch gewonnenen Befunden und greifen marxistische Elemente auf. Sie sehen
Unterentwicklung nicht als Vorstadium einer kapitalistisch-industriellen Entwicklung
sondern als deren Folge. Die Eingliederung der Entwicklungsländer in das System
der internationalen Beziehungen ist danach die Ursache der Unterentwicklung.
Das zentrale Thema der Dependencia-Schule ist folglich die Frage nach dem
Zusammenwirken exogener und endogener Faktoren bei der Herausbildung und Reproduktion
abhängiger Wirtschafts- und Gesellschaftsstrukturen, sowie nach der Entwicklungsdynamik
und dem Entwicklungspotential abhängiger Länder.
Die ersten Protagonisten des
Dependencia-Erklärungsansatzes betonten besonders die wirtschaftliche Abhängigkeit,
während spätere Autoren auch die soziale, politische und kulturelle
Abhängigkeit der Entwicklungsländer von den Industrieländern verstanden.
(vgl. Astor, E./Bussian, R. 1997,
S.79; Boekh, A. 1982, S.136-137, Wagner, H.-G. 1994, S.85; Wagner, N./Kaiser, M./Beimdiek,
F. 1983, S.47)
Die Kernaussage der
Polarisationstheorien ist, dass Wirtschaftswachstum nicht einen Abbau, sondern
eine Zunahme der wirtschaftlichen Ungleichgewichte und Wohlfahrtsunterschiede
zur Folge hat.
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Als Hilfskonstrukt kann bei der
Dependenztheorie ähnlich der strukturellen Theorie des Imperialismus und
dem Peripherie-Ansatzes eine Unterteilung der Welt in Zentrum-
(Industrieländer) und Peripherieregionen (Entwicklungsländer) vollzogen werden.
Diese werden wiederum aufgeteilt in ein Zentrum und eine Peripherie, so dass
jede Zentralnation (Metropole) und jede Peripherienation ein Zentrum und eine
Peripherie aufweisen. (vgl. Wagner, N./Kaiser, M./Beimdiek, F. 1983, S.48)
Die Macht der Metropole steht im
Mittelpunkt der Dependenztheorien. Diese schafft und erhält Abhängigkeiten
aufrecht, von denen im Folgenden einige aufgezählt werden und teilweise im
weiteren Verlauf dieser Arbeit ausführlicher behandelt werden (vgl. Schamp,
E.W. 1988, S. 122):
- die koloniale oder neokoloniale
Ausrichtung der Peripherie auf wenige Produkte und wenige Handelspartner, die
von überragender Bedeutung für die Wirtschaftsstruktur des peripheren Landes
sind,
- die technologische Abhängigkeit,
- die kapitalmäßige Abhängigkeit, die
sich bei Kapitaltransfer und Direktinvestitionen zeigt,
- die Management-Abhängigkeit, die sich
in der Bestellung von Beratern und Managern aus Kerngebieten zeigt.
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Kolonien sind, sind sie dadurch dennoch unterentwickelt. Die
Neo-Imperialismustheorie und eben die Dependenztheorie versuchen dieses anhand
politischer, sozialer, kultureller und ökonomischer Faktoren zu erklären. Die
Entwicklungsländer sind durch diese Faktoren trotz formaler Unabhängigkeit
strukturell abhängig, welches in diesem Fall bedeutet, dass, nach dem eben
erläuterten groben räumlichen Modell, Strukturen aus den Industrieländern
(Metropolen) in die Entwicklungsländer (Peripherie) übertragen werden. Dadurch
wird deren Abhängigkeit (Dependenz) verfestigt und die Entwicklung verhindert.
Durch diese Übertragung von Strukturen aus den Metropolen in die Peripherie führt
dort zu struktureller Heterogenität, da in den Entwicklungsländern
traditionelle Strukturen (nicht kapitalistische, z.T. feudale
Produktionsweisen) und moderne (kapitalistische) Strukturen aufeinander
treffen. Durch diese Konfrontation werden die gewachsenen Strukturen zerstört,
d.h. Armut und Unterentwicklung entstehen und verfestigen sich gerade dadurch,
dass diese strukturell heterogenen Sektoren aufeinander treffen. Das Resultat
ist eine gesellschaftliche Deformation. (vgl. Bender, D. 1990, S. 523; Kaiser,
M./Wagner, N. 1991, S.124; Wagner, N./Kaiser, M./Beimdiek, F. 1983, S.48-49)
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übrig und auch den inländischen Produzenten werden durch diese Hinwendung zu
importierten Konsumgütern Absatzmöglichkeiten entzogen. Es werden so auch wenige
Anstrengungen unternommen, die Produktivität im Inland zu erhöhen. Auch richtet
sich die Produktionsstruktur zunehmend am westlich orientierten Konsumverhalten
der Oberschicht aus, während die Produktion für den Massenkonsum zurückgedrängt
wird. Die Folgen sind z.T. schwerwiegend. Ist die Konzentration im Agrarsektor
z.B. auf ein einziges Exportprodukt ausgerichtet (z.B. Zuckerrohr), so hat dieses
einen Verzicht des Anbaus von Gemüse, Früchten oder Getreide zur Folge, welches
wiederum durch diese Spezialisierung zu einer Verschlechterung der
Ernährungslage der einheimischen Bevölkerung (Hungersnöte etc.) führt. (vgl. Hemmer,
H.-R. 1978, S.494; Kaiser, M./Wagner, N. 1991, S.124; Wagner, N./Kaiser, M./Beimdiek,
F. 1983, S.48-49)
Die einseitige Abhängigkeitsbeziehung
führt also zu dieser sektoralen Verzerrung der Produktionsstruktur (Rohstoffe
für den Export und Herstellung von Luxuskonsumgütern für die kleine Herrschaftsschicht),
der Raumstruktur (Primatstadt, baumartige Verkehrsnetze, grenznahe
Wirtschaftsschwerpunkte) und der schon angeführten Deformation der
Gesellschaftsstruktur mit wenigen Nutznießern dieser Abhängigkeiten und einer
Verarmung weiter Teile der Bevölkerung (Marginalisierung). (vgl. Schamp, E.W.
1988, S. 122)
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