Das „Vorspiel auf dem Theater“ in
Goethes Faust
Universität Stuttgart
Institut für Literaturwissenschaft
Abteilung für Neuere Deutsche
Literatur II
Hauptseminar: Faust
Prof. Dr. Thomé
Wintersemester 2008/09
Inhalt
1. Einleitung.................................................................3
2. Handlung................................................................4
3. Personen
3.1
Der Direktor.......................................................5
3.2
Lustige Person.....................................................7
3.3
Der Dichter.........................................................8
4. Ort und
Zeit...............................................................9
5. Form...................................................................10
6. Position
im Werk.........................................................12
7.
Ergebnis.................................................................12
Literatur...................................................................15
1. Einleitung
Goethe setzt
seiner Tragödie Faust drei Sequenzen voran. Die Zueignung, welche
keine Widmung enthält, sondern die Entstehungsgeschichte der Tragödie
reflektiert. Gefolgt wird diese vom Vorspiel auf dem Theater, das einen
Ausschnitt aus der Theaterwirklichkeit zu spiegeln scheint. An dritter Stelle
steht der Prolog im Himmel, der bereits einen Bezug zur Handlung hat,
diese quasi durch die Wette in Gang setzt.
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lassen sich auch die vielfältigen Ansichten, welche in der Forschung vertreten
werden, erklären. Einen Überblick, welcher auch die DDR-Forschung miteinbezieht,
bietet Rüdiger Scholz.
Über die
Entstehung der Szene Vorspiel auf dem Theater herrscht in der Forschung
weder beim Anlass noch bei der Datierung endgültige Einigkeit. Nach der
Darstellung Albrecht Schönes entstand das Vorspiel in der zweiten Hälfte
des Jahres 1798. Damit folgt er der Darstellung Jost Schillemeits, dass es beim
Vorspiel auf dem Theater um eine „dramatische Gelegenheitsdichtung“
anlässlich der Eröffnung des umgebauten Weimarer Theaters handelt. Er stellt
sich dadurch gegen Oskar Seidlin und den Forschungszweig, der ein Vorspiel zum
zweiten Teil der Zauberflöte erkennt. Nach der durch Schöne vertretenen
Sichtweise hat das Vorspiel keinen Bezug zu einem bestimmten Werk,
wodurch auch die „kaum übersehbare Differenz zwischen den beiden Texten“ zu
erklären sei. Zur Begründung dieser These zieht er den Schriftverkehr zwischen
Goethe und Kirms, über das Programm zur Wiedereröffnung des Weimarer Theaters,
heran.
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Präludiums die Verbindung zum Gesamtkunstwerk Faust betonen. Wollte man davon
ausgehen, dass das Vorspiel auf dem Theater genuin zum Faust
gehört, so kann man eine Funktion dieses Prologs in der Verbindung stiftenden
Wirkung zwischen Faust I und Faust II sehen. Zu diesem Ansatz bringt mich die
von Jochen Schmidt thematisierte Feststellung, dass bereits im Erstdruck von
1808 das dreifache Präludium vor dem Zwischentitel Der Tragödie Erster Teil
steht. Dies zeigt, dass die Prologe auf die ganze Tragödie zu beziehen sind.
Eine Weitere
Funktion des Vorspiels auf dem Theater, die es meiner Meinung nach als
ausdrücklich zum Faust gehörend ausweist, ist die Betonung der
Fiktionalität des folgenden Stückes.
Ulrich Gaier
folgt Mason in der Ansicht, dass das Vorspiel nach der Zueignung
direkt für den Faust geschrieben worden sei. Er stellt Verbindungen
heraus, wie die wörtliche Wiederholung „Lieb` und Freundschaft“ aus Vers 12 der
Zueignung. Gaier weist im Verlauf seiner Argumentation noch auf weitere
Zusammenhänge zwischen Vorspiel und Zueignung hin und führt als
weiteren Beleg die lange Tradition der Vorspiele im Theater an. Meiner Ansicht
nach zu weit führt allerdings die von Gaiers vertretene These, dass die
Anregung zum Vorspiel auf Sakuntala oder der entscheidende Ring
beruhe, auch wenn Goethe dafür ein Epigramm schrieb.
2. Handlung
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Als Funktion
bzw. Thema des Vorspiels auf dem Theater wird in den gängigen
Interpretationen meist auf die „poetologische Dimension“ hingewiesen, welche „das
Wesen der Dichtkunst und ihr Verhältnis zur Theaterpraxis“ behandelt.
Tatsächlich handelt es sich bei diesen drei Figuren um Typen, welche den
jeweiligen Standpunkt ihrer Zunft vertreten. Nicht als handelnde Figur, aber
sehr wohl als Typus vertreten ist auch das zeitgenössische Publikum durch die
Rede des Direktors.
Will man die von
den drei Personen diskutierten Themen einteilen, so kann man sagen, dass, ausgehend
von der Frage nach den Hoffnungen und Vorstellungen seiner beiden Genossen,
„Ihr beiden..sagt was ihr wohl..von unserer Unternehmung hofft?“, folgende Themen
zur Sprache kommen: Produktion, Wert, Inszenierung und Rezeption.
3. Personen
3.1 Der Direktor
Die Bedürfnisse
des Direktors und der Lustigen Person hängen unmittelbar mit
Wohlgefallen des Publikums zusammen, wenn auch mit variierendem Hintergrund. So
zeigt sich der Direktor von der Seite eines Unternehmers, der ein
Geschäft zu führen hat, daher kann der Begriff „Unternehmung“ aus seinem Munde
sicher auch in der Bedeutung des Geschäftsunternehmens, neben der des Vorhabens,
verstanden werden.
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Ansprüchen des Publikums an die Kunst keine besonders hohe Meinung hat,
vergleicht er es doch mit Hungernden, die es notgedrungen auf Masse, bzw.
darauf überhaupt etwas zu bekommen, abgesehen haben. In der Fortführung dieses
Gedankens kann auch das vom Direktor vorgeschlagene „Ragout“ verstanden
werden, bei dem es sich um ein Resteessen, das durch eine würzige Sauce wieder
servierbar gemacht wurde, handelt und das nicht unbedingt von einem
Feinschmecker bestellt würde. Überträgt man dies nun auf die Theaterkunst,
fordert der Direktor sozusagen eine bunte Mischung an Altbekanntem, in
dem jeder der Masse etwas für sich wieder findet, was ihm gefällt, und diesem
soll ein neuer würziger Zusammenhang gegeben werden, „so dass die Menge staunend
gaffen kann.“
Diese
Geringschätzung des Zuschaueranspruchs von Seiten des Direktors wird noch
einmal in deutlich der Mahnung an den Dichter „Bedenkt, ihr habt weiches Holz
zu spalten, Und seht nur hin für wen ihr schreibt“. Dabei stellt er an Hand von
Beispielen heraus, dass das Publikum nur seichte Zerstreuung gegen die
„Langeweile“ zwischen dem Essen und dem Kartenspiel oder anderer Vergnügungen
sucht.
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