Das Thorner Blutgericht
Bedingt durch die Nachlässigkeit
und Gleichgültigkeit der Stadtverwaltung ließen sich die Ereignisse um das
Thorner Blutgericht von 1724 nicht so leicht kompensieren und einebnen. In der
Thorner Verwaltung wurde diese Angelegenheit als nicht schwerwiegend
wahrgenommen, und man war sich der Tragweite der Geschehnisse auch nicht
bewußt.
In jedem Fall wurde unterschätzt, welche folgenschweren Auswirkungen
diese Geschehnisse für die weitere Entwicklung der Stadt und für den guten Ruf
der gesamten Republik Polen haben sollten.
Unmittelbar nach den Tumulten
begannen die Jesuiten mit einem breit angelegten Propagandafeldzug. Die von
ihnen verbreiteten Informationen hinsichtlich des Angriffs der Lutheraner auf
das Kollegium, die Beschädigung der Kapelle sowie die Verbrennung von
Kulturgütern haben insbesondere den Adel stark beeindruckt. Dieser Stand befand
sich sowieso schon im Zweifel gegenüber den Lutheranern. In diesem Sinn wollte
der Adel die Thorner Angelegenheit für seine eigenen Interessen ausnutzen.
August II. war darauf bedacht, den guten Ruf des Adels zu festigen. Insofern
entschied man, mit den Tätern der Auseinandersetzung nach strengen Regeln zu
verfahren.
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Katholiken zu vermindern, wurde zudem verfügt, daß die Hälfte der Mitglieder
der Stadtversammlung katholischen Glaubens sein soll. Erst dann wurde der Stadtverwaltung
bewußt, wie ernst die Lage eigentlich war. Die protestantischen Menschen hätten
insofern weiter ihr Leben genießen können, sofern sie die
Religionszugehörigkeit geändert hätten.
Allerdings lehnte alle es ab, ihren
Glauben zu konvertieren und katholisch zu werden.
Das Gerichtsurteil und seine
Umsetzung hat die mehrheitlich evangelischen Bürger in Thorn schockiert. Die
konfessionellen Animositäten wurden im gesamten preußischen Königreich deutlich
verschärft. Durch die insgesamte Verschlechterung der Beziehungen zu den
Katholiken etablierte sich eine einheitliche Front auf Seiten der
lutheranischen Gesellschaft. In Thorn wurde befürchtet, daß jemand vom Hof in
den Stadtrat gewählt würde, weshalb die Abhaltung neuer Wahlen verschoben
wurde. Demgegenüber wurden die Thorner Katholiken immer ungeduldiger, da sie
befürchteten, daß die Umsetzung des Dekrets nicht vollumfänglich vollzogen
werde.
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großer Aufmerksamkeit beobachtet. Besonderes Interesse fand die Sache bei den
protestantischen Ländern, da das Dekret aus Thorn eine Verschärfung des Umgangs
mit Protestanten bedeutete. König Friedrich von Preußen war gleichsam sehr
interessiert an einer Ausnutzung dieser Sache für seine eigenen Ziele. In
Preußen dachte man sogar daran, eine militärische Intervention in Polen durchzuführen.
Auch Friedrich Wilhelm I. war stets bereit, einen neuen Krieg anzufangen, um
weitere Territorien zu erlangen. Insofern also standen die Thorner Einwohner
vor der Bedrohung einer unmittelbaren Intervention.
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