Das Kulturforum im
Planwerk Innenstadt
Planwerk Innenstadt
Das Planwerk Innenstadt beschäftigt sich mit der Verdichtung
und Verbindung Berliner innerstädtischer Bereiche, der City West und Mitte. Es
wurde 1996 eine öffentliche Diskussion um Fragestellungen der Stadtplanung,
Ziele und mögliche Lösungen begonnen, die 1999 in dem Beschluss des Planwerks
endeten.
Dieses enthält keine genauen architektonischen Vorgaben,
sondern gibt eher ein Raster vor, nach dem sich gerichtet werden muss.
Hauptsächlich geht es darum, die durch Krieg und Teilung Deutschlands entstandenen
Schäden und Lücken und die mit unterschiedlichen städtebaulichen Konzepten
wieder aufgebauten Plätze und Gegenden zu einer größeren Einheitlichkeit zu führen.
Die einzelnen Bereiche wurden in verschiedene Planwerke eingeteilt, wodurch die
Beteiligung der Öffentlichkeit an den Diskussionen erst ermöglicht wurde. Im
folgenden soll der 2005 beschlossene Masterplan zum Kulturforum erläutert und
eingeschätzt werden, der aus dem Planwerk um das Kulturforum heraus entstand.
Das heute Kulturforum genannte Gebiet liegt im ehemaligen
Tiergartenviertel und wird vom Tiergarten nach Norden hin begrenzt. Im Osten
bildet der Potsdamer Platz den Abschluss, im Süden der Landwehrkanal und im
Westen das Diplomatenviertel.
Entwicklung des Tiergartenviertels und die Speersche
Planung
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wurde weiterhin betrieben, doch nahm der Bau auch ganzjährig bewohnter Villen
und Mietshäuser zu. 1846 wurde die von Friedrich August Stüler gebaute
Matthäuskirche eröffnet und um sie herum im neu entstandenen Tiergartenviertel
lebten „reiche Berliner Kaufleute und Bankiers an der Tiergartenstraße, ein
begütertes Bürgertum in den Mietwohnungen und kleinen Villen der
Seitenstraßen“.
Die Bebauung veränderte sich im Zuge des Ausbaus des
Schafgrabens zum Landwehrkanal von 1845-50 durch P.J. Lenné und den Bau des
Potsdamer Platzes sowie der Potsdamer Straße nochmals und der neue Bautypus war
der, der zwei- bis viergeschossigen Stadt- bzw. Mietsvilla. Erhaltene
Baudenkmale aus dieser Zeit sind die Matthäuskirche, die Parey-Villa und das
Gontard-Palais.
Auch veränderte sich die Nutzung. Durch den benachbarten
Potsdamer Platz wurden Büros und Verwaltungen angezogen, die sich hier
ansiedelten. Dies wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch durch
„wirtschaftlichen Niedergang und Inflation nach dem Ende des ersten Weltkriegs
und dem Zusammenbruch des Kaiserreichs“
verstärkt.
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Kurz darauf begannen diese unter der Leitung der
Generallbauinspektion, vertreten durch Albert Speer, die ersten Abrisse von
Villen im Gebiet der Victoriastraße, Potsdamer Straße und Margaretenstraße
(heute Scharounstraße) zur Raumschaffung der geplanten Nord-Süd-Achse. Diese
sollte eine ca. 7km lange Prachtstraße vom Nordbahnhof in Moabit (die Lage
entspricht nicht dem heutigen Nordbahnhof) zum Südkreuz in Tempelhof werden, an
deren Seiten sich Ministerien und herrschaftliche Prachtbauten befinden
sollten. Am Schnittpunkt der Nord-Süd-Achse mit der alten Potsdamer Straße
sollte der „Runde Platz“ mit einem Durchmesser von 200m entstehen. Die ersten
Bauarbeiten am „Haus des Fremdenverkehrs“,
welches einen Teil der Umbauung des Runden Platzes
darstellte, begannen 1938 wurden aber 1942 wieder eingestellt, da der Arbeitskräftemangel,
der bereits zu Beginn des Projektes bestanden hatte auch durch Einbeziehung
Kriegsgefangener und Juden nicht ausreichte, ebenso wie die vorhandenen finanziellen
und materiellen Mittel. Zu diesem Zeitpunkt allerdings stand bereits der komplette
Rohbau mit Fassade.
Westlich der Achse bestand weiterhin das Diplomatenviertel,
das sich an den alten Parzellierungen orientierte.
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Hans Scharoun und die Entstehung des Kulturforums
Die Tatsache, dass so wenig alte Bausubstanz die Zerstörung
durch die Nationalsozialisten und später der Bombenangriffe überlebt hatte,
ermöglichte es in diesem Gebiet beinahe vollkommen neu zu beginnen und somit
„eine neuartige, originäre städtebauliche Schöpfung“
zu entwickeln und zu verwirklichen.
Dabei lag dieser Schöpfung der Begriff der „Stadtlandschaft“
nach dem 1945 zum Stadtrat für Wohnungs- und Bauwesen ernannten Hans Scharoun
zugrunde. In einem Vortrag anlässlich der Ausstellung „Berlin plant“ erläutert
Scharoun am 05.09.1946 den Begriff der Stadtlandschaft wie folgt: „Die
Stadtlandschaft ist für den Städtebauer ein Gestaltungsprinzip, ...
Durch sie ist es möglich Unüberschaubares, Maßstabloses in
übersehbare und maßvolle Teile aufzugliedern und diese Teile so zueinander zu
ordnen, wie Wald, Wiese, Berg und See in einer schönen Landschaft
zusammenwirken. So also, dass das Maß dem Sinn und dem Wert der Teile
entspricht und so, dass aus Natur und Gebäuden, aus Niedrigem und Hohem, Engem
und Weitem eine lebendige Ordnung wird.“
Damit ist keineswegs die Rückführung zum Leben in der Natur gemeint sondern
„die Wiederentdeckung der Landschaft mit dem Ziel, das naturräumliche Relief
einer Region wieder erlebbar zu machen.“
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erstreckte.
Erster verwirklichter Bau am Kulturforum, welches Teil des
Kulturbandes werden sollte, war die Philharmonie Scharouns. Für ihre Errichtung
wurde 1956 ein Wettbewerb ausgelobt, zuerst für einen anderen Standort, doch
1959 wurde der heute bekannte Platz an der Ben-Gurion-Straße und der
Tiergartenstraße festgelegt, auch als „bewusste Überwindung der Architektur des
Dritten Reiches“.
Für Scharoun war die Philharmonie „die Stätte des demokratischen Kultus“,
was wohl für das gesamte Kulturforum, nach seiner Planung, zutrifft. 1960 war
der Grundstein der Philharmonie gelegt und 1963 wurde sie eröffnet. Zeitgleich
wurde das Haus des Fremdenverkehrs als letztes sichtbares Zeichen der
Speerschen Planung abgerissen.
1962 erhielt Mies van der Rohe den Auftrag zum Bau der
Galerie des 20. Jahrhunderts. Er nutzte die Chance und legte eine
Weiterentwicklung seines Entwurfes für Bacardi vor um mit dem Bau der Galerie
einen „allgemeingültigen Raum zu verwirklichen, den er seit jeher für die
Präsentation von Kunst für am geeignetesten hielt“.
Mit dem Beschluss den in der Bundesrepublik verbliebenen
Teil der ehemaligen preußischen Staatsbibliothek wieder nach Berlin
rückzuführen und dem Bedürfnis eines dafür vorgesehenen Gebäudes wurde 1963 ein
Wettbewerb für die Staatsbibliothek am Kulturforum ausgelobt, den Scharoun mit
seinem Beitrag gewann.
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