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Eine Reihe germanischer Völkerschaften unterschiedlicher Herkunft hatte sich im
3. Jahrhundert östlich des niedergermanischen Limes zusammengefunden und im
Bewusstsein der Unabhängigkeit von Rom ein neues Gemeinschaftsbewusstsein
ausgebildet, das sich im neuen Gruppennamen
Franken (die Freien) niederschlug.
Einzelne Gruppen dieser Franken nutzten die militärische Schwäche der Römer im
frühen 5. Jahrhundert und ließen sich auf Reichsboden im Rheinland und im
heutigen Belgien als Foederaten nieder.
Mit dem Zusammenbruch der römischen
Zentralverwaltung in Gallien bot sich die Gelegenheit, dort fänkische Kleinreich
zu errichten, deren Könige von römischen Provinzstädten aus regierten.
Einer der skrupellosesten fränkischen
Kleinkönige war Chlodwig aus der Sippe der Merowinger, der siet 482 in
Tournai residierte. Ihm gelang es 486/487 das Reich des letzten
galloromanischen Heersmeisters (magister militum) Syagrius zu unterwerfen
und nach und nach seine fränkischen Nachbarkönige zu beseitigen.
Auf diese
Weise hatte sich Chlodwig nach zehn Jahren ein Großreich in Nordgallien zusammengerafft,
und mit dieser Machtstellung trat er in den Kreis der Fürsten der germansichen
Stämme, die damals Großreiche auf dem Boden des Westteils des Imperiums
beherrschten: die Westgoten in Südgallien und Nordspanien, die Burgunder
zwischen Loire, Rhône und Hochrhein, nördlich davon die Alemannen.
Die Vandalischen
Könige herrschten in Nordafrika.
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Zum
politischen Rivalen des Frankenreiches wurde das
Ostgotenreich in
Italien.
Dort hatte seit 489 der Ostgotenkönig Theoderich eine
Herrschaftsordnung durchgesetzt, die eine längere Periode der Unsicherheit nach
der Beseitigung des weströmischen Kaisertums (476) beendete. Theoderichs
Machstellung wurde notgedrungen nach einigen Jahren auch vom Kaiserhof in
Konstantinopel anerkannt.
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Die Goten, die auf zugewiesenen Landgütern in
Italien lebten, besaßen ihre eigene Rechtsordnung und Verwaltung. Ihnen allein
war der Militärdienst vorbehalten. Für die Romanen galt weiterhin die
Rechtsordnung des Imperiums, und sie stellten ihre eigenen Beamten.
Gegen den Expansionskurs Chlodwigs und
seiner Nachkommen versuchte Theoderich das System der germanischen Großreiche
im Westen zu erhalten. Als nach Theoderichs Tod (526) das Ostgotenreich selbst
Ziel der oströmischen Wiedervereinigungsversuche wurde, konnten Chlodwigs Söhne
dem schon vorher geschwächten Westgotenreich fast alle Gebiete nördlich der
Pyrenäen entziehen, das Reich der Burgunder vollständig unterwerfen und die
Reiche der Alemannen und Thüringer in Abhängigkeit bringen.
In Italien währte die ungestörte
Herrschaft der Oströmer nicht lang: Bereits 586 drangen dort Scharen des germanischen
Stammes der Langobarden ein. Im Norden der Halbinsel errichteten sie ein
Königreich mit der Hauptstadt Pavia, südlich davon zwei Herzogtümer: Spoleto
und Benevent.
Ostrom konnte letztlich nur noch Ravenna und seine Umgebung und
einen Landstreifen behaupten, der sich von dort südwestlich quer durch
Mittelitalien bis an die Küste des Tyrrhenischen Meeres zog. Auch die Inseln
Korsika, Sardinien und Sizilien und Teile Süditaliens blieben in oströmischem Besitz.
Seither gab es bis ins 19. Jahrhundert keine politische Einheit Italiens mehr,
vielmehr ist die unterschiedliche Entwicklung des Nordens und des Südens der
Apenninenhalbinsel ein bis heute andauerndes Strukturmerkmal Italiens
geblieben.
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