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Das Drama von Manfred Pfister Figuren- und Figurenkonstellation .doc

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Human Science
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German
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Karl-Franzens-Universität Graz - KFU
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2008
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„Das Drama“ von Manfred Pfister
Figuren- und Figurenkonstellation

Vorwort

Ziel meiner Arbeit soll es sein, aufgrund von Manfred Pfisters Werk „Das Drama“, einen Einblick über das Personal und die Figurenkonstellation zu geben. Alle Verfahren bzw. Thesen werde ich, exemplarisch anhand von Goethes „Clavigo“, verdeutlichen.

1.     Kurze allgemeine Definitionen

Personal = alle Figuren die in einem Stück vorkommen.

Person = Mensch als geistiges Einzelwesen.

Figur = Geschöpf eines Autors, Kunstgebilde die eine Funktion verkörpert.

Konfiguration = Teilmenge des Personals die gemeinsam auftreten.

Figurenkonstellation = welche Funktion haben die Figuren im Stück bzw. in welchem Verhältnis stehen sie zueinander.

2.     Figuren und Personen

Pfister leitet sein Kapitel „Figur vs. Person“ wie folgt ein:

„Wir sprechen, im Gegensatz zu einer weit verbreiteten Konvention, von dramatischer ‚Figur’, nicht von ‚Person’ oder ‚Charakter’, und wir tun dies, um einer ebenfalls weitverbreiteten Tendenz, dramatische Figuren wie Personen oder Charaktere des realen Lebens zu diskutieren, schon terminologisch entgegenzuwirken und so die ontologische Differenz zwischen fiktiven Figuren und realen Charaktere zu betonen.“

 

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Allgemein ist es jedoch gleich sinnvoll, von Figuren und nicht von Personen zu sprechen, um so eine Verwechslung von fiktiven Figuren und realen Personen zu vermeiden.

Eine Figur zeichnet sich dadurch aus, dass sie nicht von ihrem Kontext ablösbar ist, d.h. sie besitzt einen Satz von Informationen, durch den sie bestimmt wird. Diese Informationen sind abgeschlossen und können nicht erweitert werden. Das bedeutet wiederum, dass auch schier unwichtige Details, wie z.B. der Name, für die spätere Charakterisierung von großer Bedeutung sein können.

Im Gegensatz zu den Figuren, basieren bei realen Personen die Namen auf einem reinen Zufallsprinzip und man kann keinerlei Aussagen über den möglichen Charakter treffen.

3.     Das Personal

Wie bereits oben erwähnt, definiert man das Personal als Summe der auftretenden Figuren. Dies schließt demzufolge sämtliche Hauptfiguren, Nebenfiguren, stumme Figuren und Statisten ein. Ein wesentlicher Aspekt allerdings, wird von dieser Definition ausgeschlossen, und zwar die Repliken.

Repliken sind Figuren, über die im Laufe des Stückes gesprochen wird, welche aber selber nie auf der Bühne zu sehen sind. Allerdings können aber auch solche Repliken wesentlich für den Handlungsverlauf sein.

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Wichtig zu erwähnen ist noch, dass der Umfang für die Personenfülle oder –armut eine wichtige Rolle spielt. Man unterscheidet hier zwischen Monodramen, Einzelpersonenstücke oder vielfigurige Stücke. Bei Goethes „Clavigo“ würde ich zwar von einem vielfigurigen Stück sprechen, welches sich aber noch in einem überschaubaren Rahmen hält, da sich im Höchstfall max. 6 Figuren gleichzeitig auf der Bühne befinden.

4.     Figurenkonstellation

Bei der Figurenkonstellation handelt es sich um eine dynamische Interaktionsstruktur. Wichtig hier ist zu ermitteln, welche Funktionen die Figuren haben bzw. in welchen Verhältnis sie zueinander stehen. Es kann also als ein soziales, psychologisches und mentales Beziehungsgeflecht beschrieben werden, das die Handlung durch seine Kontraste und Parallelen mitbestimmt.

Pfister beschreibt das folgender Maßen:

„Man ermittelt dabei für jede Figur die auf sie entfallenden positiven, neutralen oder negativen Bezugnahme durch die anderen Figuren, wobei jeweils nur die eindeutige zu ermittelnden positiven, negativen oder neutralen Beziehungen gewertet werden. Aus dem Wert für alle Figuren lässt sich dann für jede Phase des linearen Textablaufes der Grad der ‚elektiven Entropie’ errechnen, der zahlenmäßig den Grad der Ungeordnetheit, der ‚Durchmischung’ eines Systems ausdrückt.“

 

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Vielleicht würde in diesem Fall sogar die Dreierkonstellation Held (Clavigo), Widersacher (Carlos) und Helfer (Beaumarchais) zutreffen.

5.     Konfiguration

Die Figuren eines dramatischen Textes, die zu einer bestimmten Zeit auf der Bühne sind oder nicht, werden als Konfiguration bezeichnet.

„Unter Konfiguration verstehen wir die Teilmenge des Personals, die jeweils an einem bestimmten Punkt des Textverlaufes auf der Bühne präsent ist; durch den Wechsel der Konfiguration wird ein neuer Auftritt, eine neue scéne, konstituiert.“

Umfang und Dauer von Konfigurationen

Auch hier sind zwei Kriterien für die Konfiguration wichtig. Einerseits die Dauer und andererseits der Umfang. Es gibt bei beiden Kriterien folgende Extremfälle:

a.)    Umfang

Hier unterscheidet man zwischen „leere Konfigurationen“ oder „Null-Konfiguration“ (keine Figur ist auf der Bühne – meist bei Szenenwechsel) und Ensemble-Konfiguration (alle Figuren des Stückes befinden sich gleichzeitig auf der Bühne).

b.)    Dauer

Auch in diesem Fall, kann man zwischen zwei verschiedenen Konfigurationen unterscheiden. Entweder als unveränderte Konfiguration (durchgehende Ensemble-Konfiguration) oder als häufig wechselnde Konfiguration (überstürzende Auftritte und Abgänge).

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Konfigurationsstruktur

Pfister beschreibt die Konfigurationsstruktur wie folgt:

In der Folge von Konfigurationen, an denen eine Figur beteiligt ist, konkretisiert sich ihre Identität, werden durch die sinnfällige Gegenüberstellung auf der Bühne ihrer Kontrast- und Korrespondenzrelationen zu den übrigen Figuren der jeweiligen Konfiguration verdeutlicht.“

Um eine solche Konfigurationsstruktur leichter zugänglich und verständlich zu machen, wird sie in Form einer Matrix dargestellt.

Unten wird die passende Matrix zu Goethes Drama „Clavigo“ angeführt. Die Matrix ist in die jeweils fünf Akte des Stückes gegliedert, wobei innerhalb jedes Aktes, bei jedem Hinzukommen oder Abgehen, eine neue Einteilung begonnen wird.

Akt

1.A.

1.A.

2.Akt

3.Akt

4.A.

4.Akt

5.Akt

Clavigo

x

 

 

x

x

x

x

 

 

x

x

x

 

 

 

 

x

x

x

x

x

 

Carlos

x

 

 

 

 

 

x

 

 

 

 

x

 

 

 

 

 

 

 

 

x

 

Beaum.

 

 

x

 

x

 

 

 

 

 

x

 

 

x

x

x

 

 

x

x

x

 

Marie

 

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x

x

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x

 

x

x

x

x

 

 

 

 

 

 

Sophie

 

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x

 

 

 

 

x

x

x

x

 

x

x

x

x

 

 

 

x

x

 

Guilbert

 

 

 

 

 

 

 

 

x

x

x

 

 

 

x

x

 

x

x

x

x

 

Buenco

 

x

x

 

 

 

 

 

x

x

x

 

 

 

 

x

 

x

x

x

x

 

Saint G.

 

 

 

 

x

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bedienter

 

 

 

x

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

x

 

 

 

 

 

Männer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

x

 

 

 

 

 

Ist eine Figur während einer Konfiguration anwesend, so wird dies mit einem „x“ gekennzeichnet. Aus dieser Matrix kann man dann ablesen, wann eine Person mit wem und wie lange auf der Bühne ist. Außerdem lassen sich die Figuren so in verschiedenen Kategorien einteilen.

6.2.1. Konkomitante Figuren

Darunter versteht man Figuren, die immer gemeinsam auf- und abtreten. Das würde bedeuten, dass die beiden Figuren in der Matrix immer ein „x“ aufweisen. Bei „Clavigo“ lassen sich nur zwei solche konkomitante Figuren finden. Zwar tritt der Bedienstete nur mit Clavigo auf, Clavigo selbst aber, geht auch andere Konfigurationen ohne ihn ein.


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