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„Das Drama“
von Manfred Pfister
Figuren- und Figurenkonstellation
Vorwort
Ziel meiner
Arbeit soll es sein, aufgrund von Manfred Pfisters Werk „Das Drama“, einen
Einblick über das Personal und die Figurenkonstellation zu geben. Alle
Verfahren bzw. Thesen werde ich, exemplarisch anhand von Goethes „Clavigo“,
verdeutlichen.
1.Kurze
allgemeine Definitionen
Personal = alle Figuren die
in einem Stück vorkommen.
Person = Mensch
als geistiges Einzelwesen.
Figur = Geschöpf
eines Autors, Kunstgebilde die eine Funktion verkörpert.
Konfiguration = Teilmenge
des Personals die gemeinsam auftreten.
Figurenkonstellation
= welche Funktion haben die Figuren im Stück bzw. in welchem Verhältnis stehen
sie zueinander.
2.Figuren
und Personen
Pfister leitet sein Kapitel
„Figur vs. Person“ wie folgt ein:
„Wir sprechen, im
Gegensatz zu einer weit verbreiteten Konvention, von dramatischer ‚Figur’,
nicht von ‚Person’ oder ‚Charakter’, und wir tun dies, um einer ebenfalls
weitverbreiteten Tendenz, dramatische Figuren wie Personen oder Charaktere des
realen Lebens zu diskutieren, schon terminologisch entgegenzuwirken und so die
ontologische Differenz zwischen fiktiven Figuren und realen Charaktere zu
betonen.“
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Allgemein ist es jedoch
gleich sinnvoll, von Figuren und nicht von Personen zu sprechen, um so eine
Verwechslung von fiktiven Figuren und realen Personen zu vermeiden.
Eine Figur zeichnet sich
dadurch aus, dass sie nicht von ihrem Kontext ablösbar ist, d.h. sie besitzt
einen Satz von Informationen, durch den sie bestimmt wird. Diese Informationen
sind abgeschlossen und können nicht erweitert werden. Das bedeutet wiederum,
dass auch schier unwichtige Details, wie z.B. der Name, für die spätere
Charakterisierung von großer Bedeutung sein können.
Im Gegensatz zu den
Figuren, basieren bei realen Personen die Namen auf einem reinen Zufallsprinzip
und man kann keinerlei Aussagen über den möglichen Charakter treffen.
3.Das
Personal
Wie bereits oben erwähnt,
definiert man das Personal als Summe der auftretenden Figuren. Dies schließt
demzufolge sämtliche Hauptfiguren, Nebenfiguren, stumme Figuren und Statisten
ein. Ein wesentlicher Aspekt allerdings, wird von dieser Definition
ausgeschlossen, und zwar die Repliken.
Repliken sind Figuren, über die im Laufe
des Stückes gesprochen wird, welche aber selber nie auf der Bühne zu sehen
sind. Allerdings können aber auch solche Repliken wesentlich für den
Handlungsverlauf sein.
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Wichtig zu erwähnen ist
noch, dass der Umfang für die Personenfülle oder –armut eine wichtige Rolle
spielt. Man unterscheidet hier zwischen Monodramen, Einzelpersonenstücke oder
vielfigurige Stücke. Bei Goethes „Clavigo“ würde ich zwar von einem
vielfigurigen Stück sprechen, welches sich aber noch in einem überschaubaren
Rahmen hält, da sich im Höchstfall max. 6 Figuren gleichzeitig auf der Bühne
befinden.
4.Figurenkonstellation
Bei der
Figurenkonstellation handelt es sich um eine dynamische Interaktionsstruktur.
Wichtig hier ist zu ermitteln, welche Funktionen die Figuren haben bzw. in
welchen Verhältnis sie zueinander stehen. Es kann also als ein soziales,
psychologisches und mentales Beziehungsgeflecht beschrieben werden, das die
Handlung durch seine Kontraste und Parallelen mitbestimmt.
Pfister beschreibt das
folgender Maßen:
„Man ermittelt dabei für
jede Figur die auf sie entfallenden positiven, neutralen oder negativen
Bezugnahme durch die anderen Figuren, wobei jeweils nur die eindeutige zu
ermittelnden positiven, negativen oder neutralen Beziehungen gewertet werden.
Aus dem Wert für alle Figuren lässt sich dann für jede Phase des linearen
Textablaufes der Grad der ‚elektiven Entropie’ errechnen, der zahlenmäßig den
Grad der Ungeordnetheit, der ‚Durchmischung’ eines Systems ausdrückt.“
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Vielleicht würde in diesem Fall sogar die Dreierkonstellation
Held (Clavigo), Widersacher (Carlos) und Helfer (Beaumarchais) zutreffen.
5.Konfiguration
Die Figuren eines
dramatischen Textes, die zu einer bestimmten Zeit auf der Bühne sind oder
nicht, werden als Konfiguration bezeichnet.
„Unter Konfiguration
verstehen wir die Teilmenge des Personals, die jeweils an einem bestimmten
Punkt des Textverlaufes auf der Bühne präsent ist; durch den Wechsel der
Konfiguration wird ein neuer Auftritt, eine neue scéne, konstituiert.“
Umfang
und Dauer von Konfigurationen
Auch
hier sind zwei Kriterien für die Konfiguration wichtig. Einerseits die Dauer
und andererseits der Umfang. Es gibt bei beiden Kriterien folgende Extremfälle:
a.)Umfang
Hier
unterscheidet man zwischen „leere Konfigurationen“ oder „Null-Konfiguration“
(keine Figur ist auf der Bühne – meist bei Szenenwechsel) und
Ensemble-Konfiguration (alle Figuren des Stückes befinden sich gleichzeitig auf
der Bühne).
b.)Dauer
Auch in
diesem Fall, kann man zwischen zwei verschiedenen Konfigurationen
unterscheiden. Entweder als unveränderte Konfiguration (durchgehende
Ensemble-Konfiguration) oder als häufig wechselnde Konfiguration (überstürzende
Auftritte und Abgänge).
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Konfigurationsstruktur
Pfister beschreibt die
Konfigurationsstruktur wie folgt:
„In
der Folge von Konfigurationen, an denen eine Figur beteiligt ist, konkretisiert
sich ihre Identität, werden durch die sinnfällige Gegenüberstellung auf der
Bühne ihrer Kontrast- und Korrespondenzrelationen zu den übrigen Figuren der
jeweiligen Konfiguration verdeutlicht.“
Um eine
solche Konfigurationsstruktur leichter zugänglich und verständlich zu machen,
wird sie in Form einer Matrix dargestellt.
Unten
wird die passende Matrix zu Goethes Drama „Clavigo“ angeführt. Die Matrix ist
in die jeweils fünf Akte des Stückes gegliedert, wobei innerhalb jedes Aktes,
bei jedem Hinzukommen oder Abgehen, eine neue Einteilung begonnen wird.
Ist eine Figur während
einer Konfiguration anwesend, so wird dies mit einem „x“ gekennzeichnet. Aus
dieser Matrix kann man dann ablesen, wann eine Person mit wem und wie lange auf
der Bühne ist. Außerdem lassen sich die Figuren so in verschiedenen Kategorien
einteilen.
6.2.1. Konkomitante
Figuren
Darunter versteht man
Figuren, die immer gemeinsam auf- und abtreten. Das würde bedeuten, dass die
beiden Figuren in der Matrix immer ein „x“ aufweisen. Bei „Clavigo“ lassen sich
nur zwei solche konkomitante Figuren finden. Zwar tritt der Bedienstete nur mit
Clavigo auf, Clavigo selbst aber, geht auch andere Konfigurationen ohne ihn
ein.