Christian Weise: Masaniello
Das Trauerspiel unter pädagogischen
Gesichtspunkten
Universität Stuttgart
Institut für Literaturwissenschaft
Abteilung für Neuere Deutsche
Literatur I
Hauptseminar: Barockes Trauerspiel
Prof. Dr. Sandra Pott
Wintersemester 2007/08
XXX
MatrikelNr.: XXX
XXX@web.de
Inhalt
1. Einleitung......................................
2. Forschungsstand..................................
3. Historische Einordnung............................
3.1
Neapel.................................
3.2
Weises Quellen................................
3.3
Lausitz ....................................
4. Lehrbeispiele....................................
4.1
Vizekönigliche
Verwaltung.................
4.2
Kirche..............
4.3
Volk..................................
4.4
Adel.................................
5. Bedeutung der Kritik im
Kontext.......................
6. Resümee..........................................
7. Literatur...........................................
1. Einleitung
Christian Weises
Trauerspiel Masaniello ist in vielerlei Hinsicht eines der interessantesten
Stücke des Schlesischen Trauerspiels. Neben dem formal zunächst auffälligsten
Aspekt, der Prosaform, bildet dieses Bühnenwerk auch unter vielen weiteren
Gesichtspunkten eine Besonderheit.
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Geschrieben
wurde das Stück für die Schüler von Weises Zittauer Gymnasiums. Dies begründet
zum einen die enorm hohe Anzahl an Rollen, durch die Gruppierungen der stummen
Rollen lässt sich die ohnehin schon beträchtlich Zahl von 78 sprechenden Rollen
fast beliebig erweitern.
Zum anderen erklärt dieser Hintergrund vermutlich auch
die Auswahl des Stoffes für das Trauerspiel des Jahres 1682 am Zittauer
Gymnasium worauf ich im Kapitel historische Einordnung noch näher eingehen werde.
Die Praxis Geschehnisse aus der jüngsten Vergangenheit für den thematischen
Inhalt eines Trauerspiels heranzuziehen ist allerdings in der Barockzeit nicht
ungewöhnlich, wie es beispielsweise Andreas Gryphius auch mit seinem „Carolus
Stuardus“ zeigt.
Nach einem Blick
auf den Forschungsstand und die Hintergründe der Entstehung möchte ich mich der
Darstellung und Kritik, die Weise mit seinem Stück an den einzelnen
Bevölkerungsgruppen übt zuwenden. In diesem Lehrbeispiel führt der Zittauer
Rektor seinen Schülern die Eigenheiten einer jeder Gesellschaftsschicht sehr
anschaulich vor Augen und macht sie mit den „Typen“, mit welchen sie in ihrem
späteren Leben konfrontiert sein werden vertraut.
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der besonderen Stellung der Lausitz und die damit verbundenen Ansprüche an
„Staatsklugheit“ geschehen.
2. Forschungsstand
Die Forschung zu
Christian Weises Masaniello spaltet sich traditionell in zwei, von ihrem
jeweiligen Zeitgeist geprägte, Lager zu welchen mittlerweile eine dritte
vermittelnde Partei hinzugekommen ist. Die eine Gruppe der älteren Forschung
sieht im Masaniello ein Stück gegen den Pöbel, in welchem durch die Vermittlung
des Erzbischofs Philomarini Adel und König wieder ins Recht gesetzt werden. Auf
der anderen Seite steht die sozial inspirierte Forschungsmeinung, welche Weise
mit seinem Stück die Französische Revolution vorwegnehmen und im Masaniello ein
Drama im Übergang zur Aufklärung sieht. Oftmals wird Weise hier als Systemkritiker
interpretiert, der die Abschaffung des Absolutismus propagiert. Die dritte
Fraktion vertritt, wie schon angedeutet, keine richtige These und sieht keine
zentrale Handlung, sie geht daher eher von einer gewissen Art von
Gattungsmischung aus.
Die Neigung,
der von mir als zweite genannten Forschungsrichtung spontan zuzustimmen ergibt
sich zum einen aus dem für ein barockes Trauerspiel sehr untypischen Aufbau mit
der schon erwähnten Prosaform und dem Bruch der Ständeklausel sowie dem Fehlen
von Reyen.
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die einzelnen Charaktertypen löst sich auch der Eindruck auf es werde ein, dem
18. Jahrhundert ähnlicher, Konflikt zwischen Adel und Bürgertum dargestellt.
Auf einen solchen Konflikt oder eine in diese Richtung gehende Lehre bei Weises
Masaniello zu schließen verbieten auch schon die historische Ausgangslage der
Lausitz und damit den darauf ausgerichteten Bildungsidealen Weises.
Überhaupt
scheint aber auch in der aktuellen Forschung, der Aspekt der genaueren
historischen Ermittlung von Weises real existierender politischer und sozialer
Lebens- und Schaffenswelt immer noch genau so gerne vernachlässigt zu werden,
wie der sachgemäße Umgang mit modernen Begrifflichkeiten. Exemplarisch möchte
ich hier auf das im Großen und Ganzen recht schlüssige Nachwort von Eberhard
Mannack hinweisen, das zum einen eine historisch sehr nachlässige Darstellung
der politischen Entwicklung der Lausitz enthält und zum anderen moderne
Maßstäbe an historische Gesellschaftsverhältnisse anlegt. So bescheinigt er der
Stadt Zittau „schon früh ein bürgerliches Selbstbewusstsein“ und bezieht sich
damit auf den wirtschaftlichen Erfolg des Sechsstädtebundes. Auf den Begriff
des Bürgerlichen Klassenbewusstseins werde ich im späteren Verlauf der Arbeit
noch eingehen. Das, wie auch immer geartete zittausche Selbstbewusstsein mit
dem Mannack argumentiert, kann jedenfalls seit der Zeit des Pönfalls nicht mehr
das Selbstbewusstsein der Zeit Weises sein.
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Des Weiteren
findet sich ein guter Überblick zur neueren Forschung über Christian Weise und
sein Wirken in den „Beiträgen zum ersten Christian-Weise-Symposium aus Anlass
des 350. Geburtstages, Zittau 1992“
Die scheinbar
für ein barockes Trauerspiel ungewöhnliche Form diskutiert Reichelt und kann
den Beweis erbringen, dass diese befremdlich wirkende Gestalt des Stückes
durchaus keinen Einzelfall darstellt.
3. Historische Einordnung
Zur Zeit Weises
verschwanden die biblischen oder geistlichen Stoffe zusehends aus der Palette
der Dichter und das Interesse richtete sich mehr und mehr auf die Behandlung
staatstheoretischer Probleme und vor allem auf die Behandlung
praktisch-politischer Fragestellungen, wie sie auch im Masniello ausgeführt
werden. Somit halte ich es für recht sinnvoll der historischen Einordnung
sowohl des „Masaniello“-Stoffes, aber vor allem auch der Umsetzung in Weises
Trauerspiel und der damit verbundenen Frage nach den Quellen einen eigenen
Unterpunkt zu widmen um das Verständnis und die Zielsetzung des Stückes leichter
ersichtlich zu machen.
3.1
Neapel
Die historischen
Ereignisse im Neapel des Jahres 1647 lassen sich schnell zusammenfassen. Anfang
des Jahres 1647 erließ der Vizekönig, Herzog von Arcos, ein Edikt, welches die
ohnehin schon enormen Abgaben auf Getreide und Früchte noch weiter steigerte.
Im Sommer desselben Jahres führte dieser Steuerdruck, nachdem das Versprechen
die unerträglichen Abgaben zurückzunehmen nicht eingehalten wurde, zu einem
zehntägigen Aufstand.
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