Waren im gleichen Heft die UBF für 1994
mit 915,0 Mio. und als „vorläufig“ angege-ben, so erhöhte sich diese im Bericht
von 1995 für das Vorjahr auf 923,5 Mio. Für 1995 werden 880,1 Mio. UBF
aufgeführt, im darauffolgenden Berichtsjahr wird diese Zahl auf 872,1 Mio. nach
unten korrigiert. Noch drastischer verändern sich in über sechs Berichtsjahre
nachträglich die Personenkilometer. Unternehmensbeförderungs-fälle und
Personenkilometer sind die Abrechnungseinheiten, wonach innerhalb der
Verkehrsgemeinschaft Berlin-Brandenburg und später im Verbund die Einnahmen verteilt
werden, und daher verwundert es, wie sich solche Zahlen nachträglich ändern
können.
Differenzen in den Zahlen aus
den Geschäftsberichten der BVG
Berichtsjahr Personen- UBF
kilometer
1993 für 92: 6.489,5 Mio. 991,5
Mio.
für 93: 6.662,9 Mio. 1.016,9
Mio.
1994 für 93: 5.005,6 Mio.*) 963,4 Mio. +)
für 94: 4.778,3 Mio. 915,0
Mio.
1995 für 94: 4.824,9 Mio. 923,5
Mio.
für 95: 4.649,1 Mio. 880,1
Mio.
1996 für 95: 4.214,4 Mio. 872,1
Mio.
für 96: 4.017,3 Mio. 818,4
Mio.
*) = vorläufige Daten
+) = ohne S-Bahn
Seit 1992 wird ein Rückgang der Fahrgäste bis 1996 von
rund 20 % eingeräumt, Ten-denz: weiter fallend. Tatsächlich ist aber die
Leistung der BVG, gemessen in der einzig relevanten Leistungseinheit
„Personenkilometer“, in der gleichen Zeit um rund 38 % gesunken.
Betriebsleistung der BVG
in Personenkilometer
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kilometer
in Mio.
92 6.489,5
93 5.005,6 -22,9 %
94 4.824,9 -3,6 %
95 4.214,4 -12,7 %
96 4.017,3 -4,7 %
Öffentliche Verkehrsbetriebe sind in Deutschland nun
mal eine Spielwiese lokaler Parteipolitik, auf der das Versorgungsdenken
besonders üppige Blüten treibt. Die Neue Heimat lässt grüßen. Kann sich daher
jemand eigentlich einen hoffnungsvollen jungen Mann oder eine junge Frau mit
tatkräftigem Leistungswillen und glänzenden betriebswirtschaftlichen
Kenntnissen vorstellen, der allen Ernstes nach dem Studium das Berufsziel
„Manager eines Öffentlichen Verkehrsbetriebes“ anstreben wird?
Eine weitere, des Leistungsdenkenden blockierende
Regelung, die offensichtlich ebenfalls als unantastbar gilt, ist die
Subventionierung jeder Investition eines öffent-lichen Verkehrsbetriebes mit 75
% der entstehenden Kosten. Jedes kaufmännische Denken und Handeln wird so
automatisch ausgehebelt. Erinnerungen an Blüten der Berlin-Subventionen der
Vorwendezeiten stellen sich ein, die es rentabel rechnen ließen, Schweine über
hunderte von Kilometern lebend nach Berlin zu bringen, um sie geschlachtet und
gekühlt wieder dahin zurück zu transportieren, wo sie hergekommen sind.
Gesamtsubventionsbedarf der BVG
Jahr Investitions- Betriebs- Gesamt-
zuschuss defizit subvention
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92 724 1.491 2.215
93 714 1.490 2.204
94 412 1.410 1.822
95 635 1.626 2.261
96 735 1.263 1.998
Flops nach Fahrplan
So werden weiterhin - trotz leerer Kassen - neue
Technologien getestet und bestellt, deren Sinn und Funktionalität noch an
keinem anderen Ort bewiesen sind. Das hindert die BVG natürlich nicht, trotz
bekannter Fehlschläge im Ausland, in Berlin wieder mal „Pilotfunktion“ ausüben
zu wollen. Stichwort: bargeldloses Ticketing. Auch hier wird mal eben von 100
Mio. DM für die Einführung geredet. Hinterfragt inzwischen niemand mehr, was
das eigentlich soll? Bei der Präsentation der derzeit möglichen System-lösungen
war jedem Anwesenden klar, dass mehr Probleme als positive Effekte zu erwarten
sein werden. Aber angesichts der garantierten Subventionierung auch dieser
Investition mit 75 % der Kosten ist das Risiko eines weiteren Flops auf 25 Mio.
ab-senkbar. Und was sind schon 25 Mio. DM für so ein schönes Spielzeug mit der
Aus-sicht darauf, wieder auf Vortragsreisen und zum Erfahrungsaustausch an
attraktive Plätze in fernen Ländern und Erdteilen reisen zu können. Das Thema:
Fortschritt pur - notfalls auch ohne Fahrgäste.
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verstärkten Nutzung des vorhandenen Verkehrs-netzes anzulocken, würde zwar
Mehreinnahmen versprechen, zugleich entstehen aber höhere laufende
Betriebskosten. Unter dem Strich rechnet sich das offenbar nicht!
Aufschläge auf die Tarife gibt es dann, wenn der Senat
beim Stopfen der Löcher aus Steuergeldern nicht mehr mitzieht. Bei dieser Art
der Preisgestaltung geht es kaum noch darum, welche Fahrten sich die Fahrgäste
weiterhin leisten können oder welche Tarife für sie günstig sind.
Trägt die BVG ein kleines Karo, wenn es beispielsweise
um Minuten bei einem abge-laufenen Fahrausweis geht, so greift sie gern mal in
die löchrige Tasche, wenn PR-trächtige Aktionen wie u. a. die Ausgabe einer
kostenlosen Clubcard winken. Wie gut-gemeintes Sparen schon mal zum Desaster
geraten kann, zeigen die unbekümmerten Versuche, die den bei der Bevölkerung
beliebten VBB-Atlanten in eigene Regie zu nehmen. Im März 98 sollten sie im 3.
Anlauf endlich ohne gröbere Fehler erscheinen. Verlust durch Experimentieren
ca. 2 Mio. DM.
Welche Meßlatte gilt, wenn Planungen an den
Fehlbeträgen gemessen werden, zeigt der – verbürgte – O-Ton der BVG, als ein
Vorschlag für eine Einsparung in Millionen-höhe geprüft werden sollte: „Das mag
ja (für Sie) viel Geld sein, für uns sind das aber nur 0,08 % unseres
Defizits“. Peanuts haben bei der BVG eben einen besonders kleinen Durchmesser.
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daran haben, sich jetzt als attraktive Braut zu präsentieren?
Stand: 28.03.1998
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