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BVG - Ein Fass ohne Boden .doc

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Faculty
Economics
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Accountancy
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Berlin
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BVG - Fass ohne Boden

von Dieter Brockhaus

Obskure Kostenrechnung nach Art der BVG

Wer auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist oder sie aus Umweltbewusstsein nutzt, erwartet dabei prinzipiell keinen Hochgenuss. In allen deutschen Städten be-reitet der Öffentliche Personen-Nahverkehr (ÖPNV) den Kommunen vor allem finan-zielle Sorgen und den Einwohnern oft einigen Verdruss.

Doch in den letzten Jahren zeigen sich Reformen an vielen Ecken und die Fahrgäste honorieren die Fortschritte durch steigende Inanspruchnahme. Selbst bei unvermeidbaren Preiserhöhungen kann eine sinnvolle Tarifpolitik, ein merkfähiges Informationssystem und das Ernstnehmen der Kundenwünsche Ausgleich schaffen.

Defizite tragen sich dann leichter, wenn die Politiker wenigstens eine bessere Umweltbilanz vorführen können.

Schon bei diesen Stichworten wird deutlich, hier kann nicht von Berlin und seiner BVG die Rede sein. Wer in gewissen Zeitabständen die Stadt aufsucht, findet nicht nur Preiserhöhungen sondern Neuregelungen vor, deren Sinn den oft selbst kaum infor-mierten BVG-Fahrern nicht immer einleuchtet.

Entsprechend bleibt der Umgang ge-reizt; ein harter Kern bestimmt den Ton.

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Noch!

Rechenkünste mit Fehlbeträgen

Erstmals hat sich nun die BVG dazu bequemt, sich in „BVG-Plus“ - Ausgabe März 98 - vor einer breiten Bevölkerung zur wirtschaftlichen Situation zu äußern, um die derzei-tige Preiserhöhung als unvermeidlich darzustellen. Betrachtet man diese Zahlen mal genauer, dann kann man nur staunen, und Adam Riese würde wohl Probleme bekom-men.

Folgt man den Rechenkünstlern der BVG, so hätte der Senat im Jahr 1995 bereits 2.070 Mio. DM für das Budgetdefizit locker machen müssen. 1997 ging es „nur noch“ um 922 Mil. DM. Auch wer Zahlen nicht liebt, sollte wissen: Berliner Bürgerinnen und Bürger sind stets an den Fehlbeträgen der BVG beteiligt, selbst wenn sie keinen Fuß in eine U-Bahn, Bus oder Tram setzten.

Rationalisierungsbemühungen, so heißt es, sollen ganz wesentlich dazu beigetragen haben, dass das selbsterrechnete Defizit mit Hilfe der Fahrpreiserhöhungen die Milli-ardengrenze nicht mehr überschritten hat. Schaut man sich jedoch die Vergleichszah-len seit 1992 an, wo lt.

BVG plus „nur 1.226 Mio. DM“, tatsächlich aber 1.491 Mio. DM, gemacht wurden, so zeigt sich schon allein durch den rigoros gehandhabten Personal-abbau ein anderes Bild.


Subventionsbedarf je BVG-Arbeitsplatz

 

Jahr Defizit in Mitarbeiter Defizit je

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1.92 2.215 27.629 80.170 DM

1.94 1.822 25.549 71.314 DM

1.97 1.998 18.649 107.137 DM

Es wird offensichtlich vom Gesellschafter der BVG, und der ist ausschließlich das Land Berlin, nicht zur Kenntnis genommen, dass trotz massivem Stellenabbaus mit „Goldenem Handschlag“, Ausgliederung der S-Bahn, neuer Rechtsform und neuem Vorstand, sich an den beklagenswerten Zuständen von vor 1995 im Grunde nichts verbessert hat.

Das Gegenteil ist eingetreten, allerdings bisher ohne Konsequenzen für den verantwortlichen Vorstand der BVG.

Wie man leicht errechnen kann, hat der Subventionsbedarf jedes einzelnen Arbeits-platzes bei der BVG inzwischen die Dimensionen von Landwirtschaft und Steinkohle-bergbau in den Schatten gestellt. In diesem Zusammenhang über einen möglichen Börsengang der BVG auch nur nachzudenken, ist schon deswegen abartig, weil vor einer Börseneinführung eine Überprüfung der Zahlen durch vereidigte Wirtschafts-prüfer erfolgen muss.

Und die würden feststellen, was jeder eigentlich weiß: die BVG ist pleite, ein Fass ohne Boden und nicht reformierbar. Jeder GmbH-Geschäftsführer hätte bei einer derartigen Geschäftslage wegen eingetretener (und auch nicht änder-barer) Überschuldung längst den Gang zum Konkursrichter antreten müssen, andern-falls würde er sich strafbar machen.

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Und dabei wa-ren die Voraussetzungen bei der Deutschen Bundesbahn mindestens genauso schlecht wie jetzt bei der BVG.

Eines muss man dabei den Öffentlichen Verkehrsbetrieben in Deutschland lassen: es ist ihnen gelungen, im Bewusstsein der verantwortlichen Politiker unverrückbar zu ver-ankern, dass der ÖPNV immer defizitär sein muss. Dass das so nicht stimmt, zeigt ein Blick ins benachbarte Ausland.

Der Geschäftsführer der Verkehrsbetriebe von Man-chester hat sich schon vor Jahren über die deutschen Verhältnisse verwundert die Au-gen gerieben, angesichts der Tatsache, dass bei ihm (und vielen anderen britischen Verkehrsbetrieben) keine Verluste (mehr) eingefahren werden. Und diese Verluste belasten die sogenannten Gestaltungsspielräume der Politik inzwischen in einer Wei-se, die nicht länger hinnehmbar sind.

Zementierte Kostenblöcke

Die Leistung „ÖPNV“, und das sei den Verkehrspolitikern aller Parteien ins Stamm-buch geschrieben, kann man ermitteln, und zwar in „Wagenkilometern“ bzw. „Per-sonenkilometer“. Die Kosten bei deutschen Verkehrsbetrieben, soweit sie in öffent-licher Hand sind, betragen landauf, landab rund 10 DM pro gefahrenen Wagenkilo-meter.

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Fahrgastaufkommen der BVG

Jahr Fahrgast- Veränderung

zahlen des Fahrgast-

in Mio. aufkommens

92 *991,5

93 1.016,9 +2,5 %

94 915,0 -10,0 %

95 880,1 -3,8 %

96 818,4 -3,8 %

* inkl. S-Bahn

UBFs sind im BVG-deutsch Fahrgäste.

Die Differenz zu den 10 DM der Öffentlichen Verkehrsträger BVG und andere teilen dann auch Betriebsrat und ÖTV auf, natürlich immer im Interesse der Mitarbeiter. Sie gehen auf das Konto einer Vielzahl bereits gerügter Sozialleistungen wie Kegelbahnen in U-Bahnschächten, eines außergewöhnlich hohen Krankenstandes sowie einer frag-würdigen Personalpolitik, die einen überdimensionalen Anteil von Mitarbeitern in den Verwaltungsbereichen zur Folge hat.

Wohlgemerkt in diesen 10 DM pro Wagenkilo-meter sind die Investitionen für Fahrzeuge, Schienen usw. noch gar nicht enthalten. Insofern spielen die geographischen Besonderheiten und der Nachholbedarf von Berlin nach der Wende hier keine Rolle.

Auch bei den Zahlen über das Fahrgastaufkommen wird gerne von der BVG kreativ berichtet. Kreativ bedeutet in diesem Zusammenhang, dass in den Geschäftsberichten der BVG von 1992 bis 1996 unterschiedliche Angaben über die Zahl der Personenkilo-meter und Unternehmensbeförderungsfällen zum selben Jahr in den aufeinander-folgenden Berichten festzustellen sind.


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