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Dieser Bericht trägt
den Titel „Bericht zur Bodenkundlichen Exkursion“, enthält aber nicht
ausschließlich bodenkundliche Informationen.
Zahlreiche geographische,
historische und vegeta-tionskundliche Exkurse sollen im Gesamten ein
abgerundetes Bild der besuchten Plätze geben.
Als Arbeitsgeräte dienten uns während der Exkursion ein Spaten mit
flachem Blatt, Kelle und Spachtel zum Putzen des Profils, eine Sprühflasche zur
Befeuchtung des Bodens, ein Zentimeter-Stab zur Vermessung sowie eine Farbtafel
zur Bewertung der Bodenfarbe.
Wie bereits im Hörsaal gelernt, soll ein
Bodenprofil rund 1 m lang, 80 cm breit und 1 m tief sein. Aus der Logik
und Praxis ergibt sich, dass das Profil umso länger sein muss, je tiefer es
ist. Die genaue Feststellung des Standortes kann mit Hilfe der ÖK 1:25000
oder von GPS erfolgen. Die Daten Katastralgemeinde, Ortsgemeinde,
Gerichtsbezirk und politischer Bezirk können dem Amtskalender entnommen werden.
Wir starteten vom Hauptgebäude der Technischen Universität Graz. Nach
einer kurzen Einführung, was uns am Vormittag erwarten würde, fuhren wir
Richtung Süden stadtauswärts entlang der Münzgrabenstraße wo wir mit dem
Hinweis auf die begleitende Terrassenkante auf die folgenden beiden Tage
eingestimmt wurden.
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Ein Blick auf die Bäume zeigte uns, dass es sich vorwiegend um
Laubwald (z.B. Eiche Quercus sp., Weißbuche Carpinus betulus,
Rotbuche Fagus sylvatica) mit vereinzelten Nadelbäumen (z.B. Rotföhre Pinus
silvestris) handelte. Durch die Beschattung durch das dichte Kronendach
fand sich am Waldboden kaum Unterwuchs.
Die Streuauflage bestand vor allem aus
Eichenblättern, da diese erst in diesem Frühjahr abgefallen waren. Die
Mineralisierung, d.h. die Zersetzung der Streu durch Bakterien, die insbesondere
durch Wasser- und Wärme-angebot gesteuert wird, war deutlich erkennbar. Die
geringere Streuauflage als unter Nadelwäldern ist durch ein besseres
Stickstoff/Kohlenstoff-Verhältnis (C/N-Verhältnis) des Laubes zu erklären.
Die Humusauflage aus leichtem, lockerem Moder betrug rund 5 cm, wobei das
Ausgangsmaterial zum Teil noch erkennbar war. Unter der Streuauflage wird die
Null-Marke vom obersten Mineralbodenhorizont festgelegt. Der von Grobanteilen
freie Mineralboden wurde als undeutlich krümelig beschrieben, die
Durchwurzelung als mittelmäßig.
Der darunter liegende Schotter wurde von der
Mur akkumuliert. Es kann angenommen werden, dass der Boden kalkfrei,
wahrscheinlich sauer ist. Nach vollständiger Durchfeuchtung des Bodens kann
gesagt werden, dass lehmiger Sand vorlag, d.h. es handelte sich um einen
relativ leichten Boden. Die Beurteilung der Farbe nach der Standard Soil Color
Chart ergab die Beschreibung 10 YR 4/6 (braun).
Kombiniert man nun alle
Erhebungen, kann dieser Boden als karbonatfreie Braunerde angesprochen werden.
Diese Böden sind im Grazer Feld weit verbreitet. Sie sind
landwirtschaftlich gesehen recht gut, aufgrund des geringen
Wasserspeichervermögens ist jedoch insbesondere bei Feldgemüsebau eine
Beregnung nötig. Leider werden diese günstigen Böden mehr und mehr verbaut. Die
Schotter, deren Mächtigkeit im Gegensatz zum nördlichen Alpenvorland gering ist
und zusätzlich gegen Süden hin abnimmt, werden zum Teil wirtschaftlich genutzt
und abgebaut.
Außerhalb des Waldes, auf der frisch zugeschütteten Schottergrube konnten
wir eine klassische Pioniergesellschaft erkennen. Lichtbedürftige Gräser und
beispielsweise Ampfer Rumex sp., Hahnenfuß Ranunculus sp., Wicke Vicia
sp. und Klee Trifolium sp. sind nur einige Beispiele dieser bestens
angepassten Pflanzen.
Insbesondere die Leguminosen, die in Symbiose mit
Knöllchen-bakterien die Fähigkeit haben, Stickstoff zu binden, bereiten den
Boden für nachfolgende höhere Pflanzen vor.
Unsere
Fahrt führte uns weiter Richtung Süden, wo wir über die Hochterrasse
schließlich in den Bereich der Jüngeren Deckenschotter gelangten und wo sich
auch unsere zweite Station in einem Waldstück bei Helfbrunn befand.
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Zudem waren bereits Konkretionen, d.h. Verfestigungen
zu erkennen.
Von oben nach
unten betrachtet, konnte wieder eine Streuschicht festgestellt werden. Da es
sich diesmal jedoch vor allem um Nadelstreu (v.a. Fichte Picea abies)
handelte, ist der Standort als sehr karg, arm und sauer zu beschreiben, was
durch Moos im Unterwuchs untermauert wurde.
Darunter befand sich ein schwach
humoser Horizont, an den der bleiche Horizont des Pseudogley anschloss. Bei der
nachfolgenden Anfeuchtung konnte festgestellt werden, dass es sich um sehr
schluffiges Material handelt (10 YR 6/4). Der unterlagernde Staukörper wies
eine äußerst geringe Porosität auf, zerfiel blockig-kantig und ließ sich schwer
mit Wasser verbinden.
Es ist bei diesem Staukörper darauf zu achten, dass die Farbe,
die sich ergibt, eine Mischfarbe ist (10 YR 5/6).
5-6 cm
Ol
Streuschicht, Auflagehumushorizont
0
0-5 cm
Oh
schwach humoser Horizont
0-35 cm
P
Pseudogley
darunter
S
Staukörper
Diese Böden sind sehr schlecht zu
bewirtschaften.
Ihre Bezeichnung als „Stundenböden“, weist darauf hin, dass sie
nur in einem sehr engen Bereich passender Feuchtigkeit bearbeitet werden
können. Ist der Boden zu nass, versinken die Geräte im Boden. Ist der Boden
hingegen zu trocken, ist er zu hart, um bearbeitet werden zu können.
Insbesondere Nebenerwerbsbauern müssen aufgrund fehlender Möglichkeit der
freien Zeiteinteilung die Böden oft bei schlechten Bedingungen bearbeiten, was
zu einer weiteren Verschlechterung der Böden führt.
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Auch der Begriff „Pircherde“ (grauer, fahler, harter Boden) weist
auf solche Pseudogleye hin. Auf den Pseudogleyen des südlichen Alpenvorlandes
wird zum Teil Mais angebaut, da der Mais vor allem viel Wärme braucht,
ansonsten eher anspruchslos ist. Insgesamt ist die Nutzung auf diesen Böden
aber stark eingeschränkt und häufig findet sich auch auf ebenen Flächen Wald.
Einige Schritte vom Bodenprofil entfernt befand sich ein größerer
Aufschluss. Diesem Hangbereich konnten wir Schotter entnehmen, die bereits bei
geringem Druck zerfielen („Schotterleichen“).
Diese waren während der Warmzeiten einer intensiven Verwitterung
ausgesetzt, so dass sie heute als Baumaterial wertlos sind.
Unser nächster Halt befand sich nach kurzer Fahrt im rezenten Aubereich
der Mur, unterhalb der Würmterrasse. Die Mur entspringt im Salzburger
Lungau, in Murthörl auf einer Höhe von rund 2260 m. Der Fluss hat eine
Gesamtlänge von 444 km, davon 380 km in Österreich bzw. 330 km
in der Steiermark.
Die Mur hat ein Mittelwasser von 115 m³/s, ein
Niedrigwasser von 30 m³/s, ein einjähriges Hochwasser von 430 m³/s
und ein hundertjähriges Hochwasser von 1220 m³/s. Allgemein weisen
zentralalpine Gebirgsflüsse die höchsten Amplituden zwischen maximaler und
minimaler Schüttung, die Flüsse des Alpenvorlandes wie beispielsweise die Mur
bei Graz relativ geringe Amplituden auf.