Hausarbeit zum Seminar:
Entwicklung des Bewußtseins
SS 2004
Seminarleitung: Dr. Fillbrandt
Thema: Bewußtsein
bei Tieren
René Hannemann
Studiengang:
Psychologie – Diplom
Semesterzahl: 04
Immatrikulationsnummer:
Seminar zur Psychologie, CAU Kiel
Inhaltsverzeichnis
Seite
1.
Einführung 3
2.
Theorie 3
2.1 der Begriff Bewußtsein 3
2.2 primäres und
reflexives Bewußtsein 4
3.
Herangehensweisen 5
3.1 neurowissenschaftlicher
Ansatz 5
3.2 verhaltenswissenschaftlicher Ansatz 5
4.
Untersuchungen / Fallbeschreibungen 6
4.1 Köhlers Versuche auf
Teneriffa 6
4.2 der rote Fleck auf der
Stirn 8
4.3 Sprache 9
4.4 weitere Beobachtungen 11
5.
Zusammenfassung 12
6. Literaturverzeichnis 13
1. Einführung
Was will mir meine
Golden-Retriever-Hündin jetzt „sagen“? Was „dachte“ der Gorilla neulich im Zoo,
als ich ihn durch die Scheibe musterte? Warum fällt es mir bei Tiersendungen so
leicht, dem Agieren der tierischen Akteure „menschliche“ Verhaltensweisen zuzuschreiben.
Haben wir gar moralische Verpflichtungen gegenüber Tieren?
Jeder von uns mag sich diese oder ähnliche Fragen bereits gestellt haben. Nur
allzu leicht verfällt man daraufhin der Versuchung, diese Fragen mit Leben zu
füllen und der Situation entsprechend eigene Interpretationen über das Erleben
und Denken unserer tierischen Freunde zu entwickeln. Und damit verbunden
natürlich auch Vorstellungen über ein bewußtes Verhalten. Aber wie sieht das
alles bei näherer Betrachtung aus? Meint der Hund wirklich das was ich denke
was er meint? Ist das wirklich Trauer, was ich dem Gesichtsausdruck des
Großaffen im Zoo zugeschrieben habe? Und wenn ja, hat er womöglich eine
Repräsentation von sich Selbst in diesem Zustand? Ich kam mir in diesem
Augenblick ziemlich machtlos vor und hatte Mitleid - wußte er das?
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2. Theorie
2.1 der Begriff Bewußtsein
Das Phänomen des Bewußtseins
zählt zu den größten ungelösten Problemen von Philosophie und Naturwissenschaft
überhaupt. Aus naturwissenschaftlicher Sicht stellt sich die Frage, wie es
prinzipiell möglich sein kann, daß aus einer bestimmten Anordnung und Dynamik
von Materie Bewußtsein entsteht. Selbst eine lückenlose Aufklärung sämtlicher
physiologischer Gehirnprozesse scheint diese Frage nicht beantworten zu können.
Würde das physiologische Geschehen vollständig kausal unser Verhalten
determinieren, dann wäre Bewußtsein funktionslos und überflüssig. Verhalten
wäre kein Tun, sondern ein Geschehen. Es bleibt offen, warum ein Mensch nicht
einfach funktionieren kann, ohne daß er es bewußt erlebt. Bei genauerem
Hinsehen erweist sich sogar die Frage als offen, worin das Rätsel des Bewußtseins
eigentlich besteht.
In der Vergangenheit wurde der Ursprung des Bewußtseins in einer vom Körper
separaten Seele gesucht. Diese
Dualismus genannte Theorie nimmt an, daß der Geist vom Gehirn grundlegend
verschieden und unabhängig ist.
Die Gegenposition zum Dualismus stellt der Monismus dar. In dieser aktuellen
Theorie wird das Bewußtsein als eine Funktion des Gehirns verstanden.
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einen Vorteil darstellt bleibt zunächst offen da auch weiterhin keine klare
Theorie des Bewußtseins vorhanden ist.
Infolge dieser Vermutungen werden jedoch verschiedene Stufen des Bewußtseins
(schon bei Tieren) angenommen wobei eine empirische Untersuchung dieser noch
aussteht.
2.2 primäres und reflexives
Bewußtsein
Weiterhin beachtenswert bei der
Betrachtung der später erläuterten Phänomene ist die Tatsache, daß man zur Zeit
2 Formen des Bewußtseins unterscheidet. Als erstes das primäre Bewußtsein,
welches das bewußte Erfassen von Fakten der Außenwelt widerspiegelt, welches
daraufhin entsprechende Reaktionen abverlangt (Apperzeption: bewußtes Erfassen
bestimmter Ereignisse im Gehirn).
Als zweites das reflexive Bewußtsein - die Besinnung auf das eigene Ich. Dabei
wird das eigene innere Erleben einer Betrachtung unterzogen.
Kriterien, an denen man
Verhaltensweisen bei Tieren diesen beiden Formen des Bewußtseins zuordnen kann,
formulierte der kanadische Psychologe Donalb Hebb:
durch einen steigenden Grad der Unabhängigkeit von Außenreizen und der Umwelt
entsteht ein eigengesteuertes Verhalten, das sich immer schwerer vorhersagen
läßt (und liegt damit im Widerspruch zum lange vorherrschenden Behaviorismus).
Es beinhaltet zunehmend Vorgänge, bei denen das Tier der Außenwelt Informationen
entzieht und „in eine Warteschleife nimmt“, sie also zunächst speichert und
sich ihrer später bedient.
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resultierend kommt es zu einer Integration dieser in Gesamtbilder, welche
wiederum Grundlage neuer Gesamtbilder sind. Dieser Vorgang findet in einer
Wechselwirkung von Oben und Unten, dem Ganzen und seinen Teilen statt. Deshalb
kann auch „Geist“ untere Stufen (Materie) beeinflussen (ich will jetzt meinen
Arm ausstrecken).
Diese beiden ersten Merkmale betreffen das primäre Bewußtsein.
Ein weiteres Merkmal ist die Existenz vorsätzlicher Handlungen, die nicht nur
intelligentes Verhalten wie das Herstellen von Werkzeugen implizieren, sondern
auch die Fähigkeit zur Antizipation. Dies beinhaltet z.B. das Erkennen von
Absichten bei Anderen. Dieses Merkmal bezieht sich schon auf das höhere,
reflexive Bewußtsein - „das Bewußtsein, bewußt zu sein“, der Besinnung auf das
eigene Ich und dem Erleben und Betrachten desselben.
Unter reflexivem Bewußtsein versteht man auch die Fähigkeit, die eigenen
Empfindungen, Gedanken, Überlegungen, Gefühle, Begierden und Überzeugungen zur
Kenntnis zu nehmen und zum Ausdruck zu bringen - beim Menschen beispielsweise
mittels der Sprache.
Bei dieser Herangehensweise ist
jedoch einiges zu beachten. Auch wenn der Mensch von sich annimmt, daß diese
zweite, höhere Stufe des Bewußtseins seine geistige Tätigkeit ausmacht, funktioniert
er jedoch auch manchmal im primären Modus. Eine weitere, und für die
Untersuchung wichtige Tatsache ist die, das man auch bei z.B. nichtmenschlichen
Primaten Merkmale eines reflexiven Bewußtseins erkennen kann.
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3. Herangehensweisen
Welche Vorgehensweisen werden nun
überhaupt bei der Erforschung tierischen Bewußtseins angewendet? Grundsätzlich
kann man sich der Frage von zwei Seiten nähern.
3.1 neurowissenschaftlicher
Ansatz
Im neurowissenschaftlichen
Ansatz wird die Implementierung von Bewußtsein in Lebewesen, seine
neurophysiologischen und neuroanatomischen Grundlagen untersucht. Der Grundgedanke
dabei ist, wenn man in einem Tier Vorgänge und Strukturen nachweisen kann, die
denen ähnlich sind, die bei Menschen an der Generierung bestimmter
Bewußtseinszustände beteiligt sind, dann können dem Tier diese
Bewußtseinzustände zugeschrieben werden. Neurobiologie und Hirnforschung sind
in der Lage, die verschiedenen Bewußtseinszustände und bewußten geistigen
Leistungen der Aktivität unterschiedlicher Hirnzentren zuzuordnen. Dieser
Vorgang ähnelt in gewissem Maße einem Blindflug. Der Forscher muß zunächst nach
allen neuronalen Ereignissen Ausschau halten, die nur dann vorkommen, wenn das
untersuchte Individuum wach und wahrscheinlich bewußt ist. Aus den mit
verschiedenen Meßverfahren registrierten Erscheinungen heißt es dann diejenigen
herauszufiltern, welche mit einem bestimmten Bewußtseinszustand in Zusammenhang
stehen.
Diese mentalen Repräsentationen könnten zwar der Beweis für ein primäres
Bewußtsein sein, aber nicht notwendigerweise für das anscheinend komplexere
reflexive Bewußtsein.
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