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Beispiel eines Konzepts einer Theaterinszenierung .doc

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Dramatics
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Miscellaneous
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Berlin
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brief an die teilnehmer einer bauprobe

1. franz in der schule

es geht um franz. frank, wie ihn milena in den briefen an den lieben doktor, max brod, nennt. franz, den schutzlosen, den hellsichtigen, den wahrhaftigsten von uns allen. franz, mein alter alptraum. "die verwandlung" war abiturstoff. gregor samsa, ans bett gefesselt, in sein zimmer eingesperrt. untier und unmensch, sich selber fremd, erwacht als fremder, allen fremd und fern geworden.

für einen jungen menschen, aus den behüteten gewächshäusern einer schweizer jugend ausbrechend, die denkbar fernste identifikationsfigur. ich hatte damals nie begriffen, warum uns unsere lehrer diesen autor antaten. wir, die wir auf ein leben voller abenteuer, auf ungezählte neue horizonte loslebten. was sollten wir in franz-gregor sehen? was sympathisch finden? worin ähnelte er uns? in nichts. festgebunden, gefesselt, verängstigt lebte gregor unter der decke, unterm bett auf bretterdielen. und würde nie mehr auch nur einen schritt weiter gelangen als bis zur zimmertür. wozu sich mit beispielen verfehlten lebens beschäftigen, da wir doch aufgeladen waren mit all der grenzenlosen energie, die hinaus wollte, aus der tödlich langweiligen umklammerung der lehrer und ihrer hausaufgaben hinaus in die untiefe, in die rostroten sonnenuntergänge, an den ozean und weit darüber hinweg.

 

2. franz im bücherregal

 

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und auch später, fand ich beim griff nach franz immer ein anderes buch in den regalreihen davor, über oder neben ihm, das mir beim griff nach franz plötzlich viel anziehender und lesenswürdiger vorkam.

er wartete schon lange.

bis die anfrage aus tübingen kam. einein kafka-abend. zu seinenunbekannteren texten zu machen. endlich die möglichkeit, dem franz ein zweites mal zu begegnen, diesmal mit offenen augen. die möglichkeit, alte schulden zu begleichen, versäumtes nachzuholen.

3. und welchen kafka hab ich entdeckt?

zu meiner überraschung: nicht den anstrengend langwierigen und langweiligen prager doktor der jurisprudenz und versicherungsfachmann, nicht den depressiven ausharrer, nicht der gregor samsa meiner gymnasialen lehrzeit. ich war begeistert.

in seiner prosa, seinen unzähligen anfängen, seinen briefen und notaten spricht

ein hellsichtiger wanderer,

ein einsamer bote aus den entlegensten regionen des lebens und mensch-seins,

ein unbeirrbarer träumer,

ein suchender,

ein überbordender phantast,

ein höchst lebendiger, am lebendigen arbeitenden und verzweifelnden jungen mann,

ein bilderschreiber ersten ranges

und vor allem:

scharfsinniger humor, wundervolle grotesken, dunkle ironie, beissend, wo sie sich gegen ihn selber richtet,

spannkraft, antrieb, manische unruhe, suchen, aufstehen, aufbegehren, einknicken und wieder entfalten.

 

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4. stehender sturmlauf

ein leitmotiv seiner reflexionen haben wir zum leitstern dieses projekts erhoben:

der stehende sturmlauf.

anspielend auf da vincis berühmte zeichnung zur symetrie des menschlichen körpers, die zeichnung mit dem menschen im zentrum eines kreises und seinen ausgebreiteten gliedmassen, die diesen berühren, meint der „stehende sturmlauf“: eine vielzahl von entfaltungsversuchen, die scheitern und legt man sie übereinander wie bleistiftskizzen auf halbtransparentem butterpapier, ergibt sich besagter „stehender sturmlauf“.

5. kosmos

der abend entwirft einen kosmos, wirft ein aus vielen fäden gesponnes netz aus. fragmente blieben die meisten seiner texte, als fragment empfand er sein leben. das fragment als form, als ästhetische klammer soll den kafka-abend bestimmen.

der kosmos, den wir mit kreide an die wände, auf den boden, in die luft zeichnen wollen, speist sich aus prosatexten, prosa-bruchstücken, aus briefen, aus tagebucheinträgen, aus wissenschaftlichen deutungen und kommentaren.

denn kafka ist einer jener raren künstlerexemplare, die zwischen leben und kunst keine grenze ziehen mochten. sein schreiben richtete sich nach innen wie nach aussen. genauso soll der abend keine grenzen ziehen, sondern in seiner splitterhaftigkeit als ein ganzes erscheinen.

 

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getragen, erspielt werden mehrere franzens, die als geschlossenes ganzes auftreten und im verlauf des abends sich auf einzelne facetten des phänomens kafka spezialisieren. es entstehen enger umrissene figuren, die jede für sich, ihren weg geht und ihre konflikte austrägt.

es sind dies:

der vom getöse überwältigte, vom unrat auf dem schreibtisch blockierte, der in der gegenspannung gegen sich selber anläuft, der allem ausgesetzte, der hilflose, der jammernde, der sich selbst belauernde, beweifelnde. dazu gehört auch das sich festbeissen, das durchstechen, das erzwingen wollen, welches sich nach erfolgter eruption in schläfrigkeit, depression oder zynismus erschöpft, nur um wieder loszuscharren. der unentwegt briefe an seine vorgesetzten in der anstaltsleitung schreibt, um freiräume zu bekommen, diese sucht, diese ergattert und in ihnen auf die erleuchtung, die kreative erlösung wartet, die so unberechenbar ist und auf sie wartend an kraft verliert.

der sehnsüchtige, liebende, der im sozialen hier und jetzt ankommen will. der den vorschriften von vater, onkel, gesellschaft folgen möchte, in der hoffnung, in harmonisierter auflösung innere freiheit zu gewinnen. hierhin gehört auch seine sucht nach weiblichen gesichtern, nach sich in der frau, auch in der ehe zu verlieren. in der gegenspannung erlangt er momente der erlöung in den freundschaften, die er intensiv pflegt – und die ihn genau darin auch wieder am schreiben hemmen.

 

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6. fabel und verlauf

die drehpunkte oder kapitel der oben erwähnten x-achse sind:

1. exposition: es kommen uns franzfrankkarlblumfeld k. entgegen. er / sie nehmen ihren raum ein, ihre schreibfläche und ihre kreide in die hand.

2. entfaltungsversuche: sie suchen entfaltung in geschichten, im leben, in familie, in beziehung zu dritten. im ringen um eingebung, um einen ordentlichen schreibtisch, um guten schlaf, im alltag, auf dem amt. figuren seiner prosa tauchen genauso auf wie solche aus dem engeren leben.

die hindernisse werden grösser, die freiräume enger. sei bei es kafka, bei josef k., bei blumfeld, bei karl rossmann.

3. erlösender scheitelpunkt: zum durchbruch verhilft ihm die diagnose seiner unheilbaren krankheit. endlich, endlich, endlich ein guter vorwand, unter dem man sich allem entziehen kann. ein respektabler und allseits respektierter rückzug, um endlich zu schreiben, nur noch zu schreiben. gleichzeitig läuft die uhr, die lebenszeit ist begrenzt und verbraucht sich und mit ihr seine kräfte immer schneller.

4. verstummen. die krankheit befällt den kehlkopf. die schwindenden kräfte zwingen ihn in krankenstuben, sprechen fällt immer schwerer. es bleibt in unveränderter intensität das schreiben, die eigentliche wirklichkeit. kafka verstummt und wir hören nur noch das kratzen und kritzeln von kreide.


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