Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Lehrforschungsprojekt „W2K“
SoSe 2007
Dozenten: PD Dr. Hoffmeister, Prof. Dr. Grundmann
Thema:
Die Auswirkungen des Krieges auf die
Institution Familie
Familiengestaltung,
Rollenverteilung, Erziehung
vorgelegt von:
Anna Dieckmann
Meppener Str. 24
48155 Münster
anna.die@web.de
Soziologie Magister HF
Inhaltsverzeichnis
1.
Einleitung.............1
2.
Wandel der Familie –
Demographischer Wandel
nach
dem 2.
Weltkrieg..........2
3.
Auswirkungen des 2.
Weltkrieges auf die Familie.......6
3.1 Auswirkungen auf die
Familiengestaltung.........5
3.2 Auswirkungen auf Kindheit und
Erziehung.......7
3.3 Auswirkungen auf
Geschlechterrollen und Frauenbild.....13
- Weitergabe von Traumen der Kriegseltern auf ihre Kinder ......16
4.1 Traumen der Kriegskinder durch Ambivalenzen des
Krieges........16
4.2 Arten von
transgenerationellen Traumen.........18
4.3
Transgenerationelle Weitergabe von
Traumen.......19
4.4
Auswirkungen von Traumen auf die
Lebensgestaltung.....22
5.
Familiengestaltung der
Kriegskinder.......23
5.1
Auswirkungen des Elternhauses auf die
Kriegskinder.......23
5.2 Tendenz der
Familiengestaltung der Kriegskindern..........25
6.
Fazit..............27
Literaturverzeichnis................29
1.
Einleitung
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in der pädagogischen Diskussion änderte sich das Bild von der Rolle des Mannes
sowie von Kindheit und Erziehung. Hat der Krieg und seine Auswirkungen Einfluss
auf diese Veränderungen gehabt? Sind es im Wesentlichen andere langfristige
gesellschaftliche Umbrüche die den Wandel bewirkt haben? Inwiefern spielen
traumatische Ereignisse, die besonders die Kriegskinder erlebt hatten, eine
Rolle bei den Veränderungen?
In
der folgenden Arbeit soll gezeigt werden, in welcher Weise der historische
Kontext des Zweiten Weltkrieges Einfluss auf die Entwicklung der Institution
Familie in der Nachkriegszeit hatte. Hierzu wird untersucht, welche Beachtung
der Familie in der unmittelbaren Nachkriegszeit zugute kam und welche
Hintergründe für Wandlungen in der Familie von Relevanz waren. Zentral ist die
Frage, inwiefern der zweite Weltkrieg und seine Folgen für die Veränderungen
innerhalb der Familie verantwortlich gemacht wurde.
Zunächst wird
beschrieben, welche direkte Folgen Kriegserfahrungen für die familiäre
Beziehungsführung hatten und wie die unbearbeiteten Traumen dieser
Kriegserfahrungen auf die nachfolgenden Generationen übermittelt wurden. Kinder
verinnerlichen unbewusste Erlebnisse und Traumen ihrer Eltern und
identifizieren sich damit.
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Im letzten
Schritt soll dann gefragt werden, ob die Familien von Kriegskindern zu einer
bestimmten Art und Weise der Familienführung neigen. Dies lässt sich anhand von
verschiedenen Fragestellungen betrachten: Fällt es den Kriegskindern als Eltern
schwer sich auf Veränderungen einzustellen und aus Gewohnheiten, wie dem
traditionellen Geschlechterbild, auszubrechen? Wird in diesen Familien viel
Wert auf Rituale, Strukturen und bekannte Lebensmodelle gelegt? Welche
Erziehungsmaßstäbe haben die Kriegskinder in ihren eigenen Familien? Weichen
sie von der Erziehung der eigenen Eltern ab oder lehnen sie sich an diese an?
Welches Rollenverständnis von Mann und Frau haben die Kriegskinder in ihren
eigenen Familien? All das sind Faktoren, an denen sich ablesen lässt, inwiefern
der zweite Weltkrieg und seine Auswirkungen Einfluss genommen hat auf die
Familie als Ganzes, auf die Gestaltung der Familienbeziehungen, auf die
Erziehung der Kinder und auf die Verteilung der Geschlechterrollen.
2.
Wandel der Familien - Demographischer Wandel nach dem 2. Weltkrieg
Das Ende des zweiten Weltkriegs hatte tiefgreifende
Einflüsse auf sämtliche Bereiche des gesellschaftlichen Zusammenlebens, vor
allem der Familie.
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Nachdem die Väter zurückgekehrt
waren und der extreme Mangel nach der Währungsreform überwunden war, stellten
sich die Familien dann schnell wieder als patriarchalische Kleinfamilien her.
Es kam zu hohen Verheiratungsquoten, niedrigen Scheidungszahlen und Ende der
1950er Jahre und Beginn der 60er Jahre zu einem Geburtenboom.
Dieser Wandel der Familien in der
unmittelbaren Nachkriegszeit wurde als Normalisierung der Familienbeziehungen
nach den Kriegsjahren gesehen. Die Kleinfamilie wurde idealisiert, der Familie als soziales
Problem kam kaum noch Bedeutung zu. Mitte der 60er Jahre verminderten sich dann die
Geburtenzahlen fast um die Hälfte.
In den Lebensläufen der Frauen zeigte sich ein ausgeprägter Aufschub der
Geburten etwa seit Mitte der 60er Jahre. Insbesondere seit Mitte der 70er Jahre
ist ein deutlicher Anstieg der von 30jährigen und älteren Müttern geborenen
Kinder zu vermerken. Gleichzeitig gab es immer mehr Ein-Kind-Familien,
kinderlose Paare und Alleinlebende.
Innerhalb der
Eltern-Kind-Beziehungen konkurrierten in dieser Zeit zwei verschiedene
Leitbilder. Zum einen wirkte das schon überkommene Bild der stark ausgeübten
elterlichen Verfügungsgewalt, zum anderen gewann die Betonung der Eigenständigkeit des kindlichen Wesens immer mehr
Einfluss.
Ziele, wie die Entfaltung kindlicher Bedürfnisse, Emanzipation und
Kritikfähigkeit wurden in der Studentenbewegung formuliert und breiteten sich
schnell in nahezu der gesamten pädagogischen Diskussion und Reformplanung aus.
Sie wurden popularisiert und veränderten den Umgang der Erwachsenen mit Kindern
und Jugendlichen zumindest dadurch, dass die Erwachsenen in ihren hergebrachten
Vorstellungen verunsichert wurden.
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häufiger von den Eltern nicht nur anerkannt, sondern auch gewünscht.
Dieses zweite Leitbild wurde bei vielen Eltern bewusst als
Opposition gegen das veraltete Ideal ihrer Eltern gewählt, da die Anschauungen
und Lebensformen der Eltern „ die ihnen aufgeprägt wurden, sich gegenüber ihrer
gewandelten sozialen Wirklichkeit nicht bewährten, im Gegenteil Konflikte
schufen“.
Die damaligen
Familienforscher kamen zu dem Ergebnis, dass die patriarchalische
Familienstruktur sich aufzulösen begann und ein „Übergang von der
Elternbestimmtheit der Kinder zur Kindbezogenheit der Eltern“
stattfand. Das einheitliche Vaterbild und damit das Bild des Mannes und des
Patriarchats veränderten sich, was zur Aufweichung der geschlechtsspezifischen
Arbeitsteilung führte.
Ein weiteres Indiz, dass das traditionelle Unterordnungsverhältnis beendet war,
war die Einstellung der Eltern zu körperlicher Bestrafung. In einer
Untersuchung von Baumert gaben 55% der Befragten an, dass sie körperliche Bestrafung
ganz allgemein oder wenigstens in Ausnahmefällen für richtig hielten.Nach einer Studie von Wurzbacher fällt auf,
dass die Erziehung zur Folgsamkeit in den Hintergrund trat.
Diese familiensoziologischen Forschungen aus den 50er Jahren weisen darauf hin,
dass einschneidende Veränderungen gar nicht stattgefunden haben, sondern dass
die damals einsetzenden, liberalen Erziehungsmethoden sich nur kontinuierlich
weiterentwickelt und mehr Akzeptanz in allen Bevölkerungskreisen gefunden
haben.
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