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Auswirkungen der Intertextualität auf das Textverstehen .doc

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Faculty
Human Science
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German
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Term paper
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Karl-Franzens-Universität Graz - KFU
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2010, Prof. Ebner/Bushati
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510.265: PS Textlinguistik

(Bushati Bora / Ebner Christopher)

Sommersemester 2010

Auswirkungen der Intertextualität

auf das Textverstehen

Proseminararbeit

vorgelegt von

Abgabedatum: 26.06.2010


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung. 2

2. Der Begriff „Intertextualität“. 3

3. Drei komplementäre Ansätze zur Beschreibung von Intertextualitätsphänomenen. 5

3.1 Intertextualität und Mikrotext 5

3.2 Intertextualität und Sprachmittel 7

3.3 Intertextualität und Sprachbenutzer 9

4. Zusammenfassung. 11

5. Fazit 12

6. Literaturverzeichnis. 13


1. Einleitung

 

In der vorliegenden Proseminararbeit werden die Auswirkungen der Intertextualität auf das Textverstehen behandelt. Zuerst erfolgt eine Definition und linguistische Einordnung des Begriffes „Intertextualität“. Im Mittelpunkt der Arbeit steht jedoch der Versuch, zu zeigen, wie Intertextualität das Textverstehen im Einzelnen beeinflusst und wo sich hierbei für die Sprachwissenschaft relevante Aspekte ergeben.

Dafür werden die drei komplementären Ansatzpunkte zur Beschreibung von Intertextualitätsphänomenen, nämlich „Intertextualität und Mikrotext“, „Intertextualität und Sprachmittel“ sowie „Intertextualität und Sprachbenutzer“ gewählt. Dieser Teil bildet den Kern der Proseminararbeit und wird deshalb ausführlicher behandelt. Die untersuchten Ansatzpunkte sind unter der Annahme komplementär, dass etwa ein Sprachbenutzer mithilfe von sprachlichen Mitteln Mikrotexte produziert, welche nur durch ihr Vorkommen in Texten Bedeutung tragen.

Der Rezipient muss – um dem Text verstehen zu können - diesen mit anderen, ihm schon bekannten Texten in Beziehung setzen.

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„Textverstehen ist auf das engste mit Intertextualität verbunden und hat nicht nur bei manchen, sondern bei allen Texten Intertextualität zur notwendigen Voraussetzung.“[1] Im Mittelpunkt der Intertextualitätsforschung stehen die „zentrifugalen Kräfte“[2] im Mikrotext, welche diesen nach außen hin mit anderen Mikrotexten verknüpfen. Erst seit den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts hat die Intertextualitätsforschung in textlinguistischen Diskussionen gegenüber der in den 70er- und 80er- Jahren dominanten Kohärenzforschung an Boden gewonnen, welche die „zentripetalen Kräfte“[3] untersucht[4]. Außerdem stellt Intertextualität, die bisher vorwiegend von der Literaturwissenschaft untersucht wurde, auch für die Sprachwissenschaft einen interessanten und vor allem notwendigen Forschungsgegenstand dar.

Der Text als zum Kommunizieren bestimmtes komplexes (Sprach-)Zeichen hat Eigenschaften, die die Mikrotextlinguistik allein nicht erfassen kann. Auch der Makrotext besitzt Kohärenz, die über die Kohärenz im Mikrotext substantiell hinausgeht.

Was landläufig als Intertextualität bezeichnet wird, ist nichts anderes als die Kohärenz im Makrotext.[5]

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Diesem radikalen Lager ist neben Kristeva etwa auch Michel Foucault zuzuordnen.

In seinem Ursprung markiert der Begriff eine, vor allem in Frankreich und den USA vertretene Position des Poststrukturalismus und Dekonstruktivismus. Unter Rückgriff auf das Konzept der „Dialogizität“ des Russen Michail Bachtin verweist der Begriff „Intertextualität“ laut Kristeva auf einen völlig offenen und radikalen ästhetischen Textbegriff, sowie auf ein Konzept mit komplexen Voraussetzungen und weitreichenden Konsequenzen.

Jeder Text entstehe „vor der Folie bereits existierender anderer Texte“[7] und sei nur mehr „polyphoner Intertext im ‚Gewirr der Stimmen‛“[8].

Außerdem werden Größen wie Autor, Leser, sowie Intention und Funktion eines Textes bei der Textinterpretation ausgeschlossen.

Eine andere Ansicht vertritt das so genannte „moderate“ Lager. Der Terminus der Intertextualität wird zwar ebenfalls übernommen, er dient jedoch in erster Linie dazu, die unterschiedlichen Beziehungen zwischen Texten zu etikettieren, die die Literaturwissenschaft traditionellerweise schon immer beschäftigt haben.

Diesem Lager sind Bezüge zu und Verbindungen mit nicht-literaturwissenschaftlichen Diskursen (z.B.: dem kulturpolitischen oder psychoanalytischen Diskurs), die für das radikale Lager typisch sind, fremd. Im Vordergrund steht das Bemühen, verschiedene Formen „inter-textueller“ Bezüge zu differenzieren und zu klassifizieren, um ein Instrumentarium der „inter-textuellen“ Textanalyse zu entwerfen.

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Dies sei etwa in Witzen und Parodien häufig zu beobachten, wie der folgende Cartoon aus dem Titanic Cartoon-Kalender Karicartoon 2004 illustriert.


Grafiken wurden automatisiert entfernt

>>..Brüder, zur Sonne zur Freiheit..

Schön gesagt, aber wir können einfach

nicht alle mitnehmen..<<

Das Bild zeigt zwei beleibte Herren im dunklen Anzug am Abend auf dem Balkon einer Gründerzeit-Villa. [..] Einer der beiden ist im Begriff, dem anderen ein gefülltes Champagnerglas zu reichen. Das in der Bildunterschrift zitierte Lied Brüder zur Sonne, zur Freiheit, gilt als das wichtigste Kampflied der Arbeiterbewegung in Deutschland.

Die beiden Herren, in deren Gespräch es zitiert wird, sind durch Kleidung, Habitus und situativen Kontext als Angehörige derjenigen sozialen Klasse ausgewiesen, gegen die der Freiheitsruf des Liedes gerichtet ist. Für einen Leser, der das Lied und seine Funktion kennt – und nur für ihn – ist klar, dass die beiden Herren nicht zu den im Lied angesprochenen Brüdern gehören.

Für ihn wirken die Bewertung schön gesagt und die Behauptung wir können einfach nicht alle mitnehmen [..] in diesem Kontext zynisch-deplaziert [sic!] und dadurch komisch. Dagegen kann ein Leser, dem die intertextuelle Kenntnis fehlt, diesen Text nicht dekodieren.[10]

 

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Um einen Text verstehen zu können, müssen also die Beziehungen eines Textes zu einem anderen berücksichtigt werden. Seine Kohärenz und Bedeutung erhalte ein Text aus textlinguistischer Sicht nicht nur von der Textstruktur, sondern auch durch Autor und Leser[12]. Während der Autor eines Textes als Konstrukteur tätig ist, rekonstruiert der Leser den Inhalt.

In diesem Sinne wird das Textverstehen als „aktive Re-Kreation“[13] begriffen, also nicht mehr nur als reine Dekodierung eines Inhaltes.

Die Intertextualitätsdiskussion hat in der Textlinguistik bislang wenig Niederschlag gezeigt. Bis in die neunziger Jahre fehlt in den einschlägigen Bibliographien, wie etwa in Brinkers „Textlinguistik“ von 1993 oder auch Bieres „Textverstehen und Textverständlichkeit“ von 1991 ein entsprechendes Stichwort. Beaugrande und Dressler (1981) führten den Begriff zwar ein, er steht dort jedoch für eines ihrer sieben Textualitätskriterien[14] (neben der Kohäsion, Kohärenz, Intentionalität, Akzeptabilität, Informativität und Situationalität) und meint die Rolle des Textmusterwissens in der Produktion und Rezeption von einzelnen Texten.

Dieser Intertextualitätsbegriff ist vom literaturwissenschaftlichen also weit entfernt.


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