Sehr geehrte Damen und Herren, liebe
Menschen!
Ich schließe mich der Begrüßung von Vzbgm.
Beate Sinowatz herzlich an und bedanke mich seitens der Evangelischen Akademie
Eisenstadt bei der Stadtgemeinde Neufeld an der Leitha und beim Kulturausschuss
mit seiner Vorsitzenden – wieder einmal – für die gute Zusammenarbeit, sowohl
organisatorisch als auch inhaltlich.
Diese international anerkannte Ausstellung
– sie war im Deutschen Bundestag, im Berliner Rathaus, in den USA und Japan und
anderen Ländern zu sehen und hängt als Dauerausstellung in Theresienstadt/
Terezin selbst, wird zum ersten Mal in Österreich gezeigt. Es gab manche
Fragen, warum gerade in Neufeld an der Leitha und nicht etwa in der
nahegelegenen Bundeshauptstadt.
Das hat zum einen mit biographischen
Verknüpfungen und funktionierender Kommunikation zu tun, deren Wert nicht hoch
genug eingeschätzt werden kann. Bei Interesse kann ich gerne mehr dazu
erzählen.
Zum anderen aber bietet das Dr.Fred
Sinowatz-Kulturzentrum eine Infrastruktur für solch eine doch große
Ausstellung, die nicht leicht zu finden ist.
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Über Ungeheuerliches, Menschenverachtendes,
ideologisch Verblendetes.
Als Pfarrer, der sich viel mit Geschichte
beschäftigt hat, in seiner Dissertation auch mit Äußerungen und Reaktionen von
Vertretern der Evangelischen Kirche in dieser Zeit, besonders in meiner Heimat
Steiermark, habe ich versucht wajrzunehmen ... Es geht nicht um erhobene
Zeigefinger späterer Generationen..
Vor allem geht es um die Opfer ... und auch
die, die mitgeholfen und zugeschaut oder weggeschaut haben....
Zahlen: Etwa 150.000 Personen sind nach
Theresienstadt deportiert worden, über 30.000 Menschen sind dort gestorben, an
den Bedingungen, die dort herrschten ... fast neunzigtausend wurden in Vernichtungslager,
vor allem Auschwitz, verschickt... und dort – zum überwiegenden Teil –
vergast...
Helga Weissova ist eine der wenigen
Überlebenden, auch Helga Pollak-Kinsky aus Wien, die heute unter uns ist und
deren Tagebuch eine wesentliche Grundlage des Buches „Die Mädchen aus Zimmer
28“ geworden ist – ein wirklich empfehlenswertes, wissenschaftlich fundiertes
Buch.
Helga Weissova war übrigens auf Zimmer 24.
Es gibt fast unübersehbar viel Literatur
mittlerweile und auch Filmmaterial... Ich wünsche Ihnen nicht, die Aufnahmen
gesehen zu haben, als die KZ-Häftlinge befreit wurden. Es sind die schlimmsten
Bilder, die ich je in meinem Leben gesehen habe.
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„Zeichne, was du siehst“ – wir sind
dankbar, dass die Zeichnerin dieser Bilder, Helga Weissova für diese Eröffnung
heute aus Prag zu uns gekommen ist und morgen auch Schülern für Gespräche zur
Verfügung stehen wird.
Es gibt viele Zugänge zu diesem Thema ...
dieser hier ist nur einer, aber einer nach meinem Empfinden wesentlicher ...
Mit den Augen eines Kindes ... „Zeichne, was du siehst“ ....
Mit den Augen eines Kindes, das damals so
alt war, sogar etwas jünger, wie unsere Konfirmanden und Firmlinge....
Und wenn irgendwer, irgendwann mit
irgendwelchen Argumenten meint, diese Vernichtungs-Strategie und Ideologie
gegenüber jüdischen Kindern und Erwachsenen und anderen Bevölkerungsgruppen,
wir denken im Burgenland besonders an die Roma, aber auch an Homosexuelle oder
an die Zeugen Jehovas.... (Hans Sylvester??)
Wenn jemand heute noch meint, dies verharmlosen
oder an Biertischen popularisieren zu wollen...
Der sehe in Kinderaugen .... In die Augen
unserer Kinder ...
Und er sehe mit den Augen eines Kindes aus
Theresienstadt „Zeichne, was du siehst“ ...
Von ca. 15.000 Kindern in Theresienstadt
haben höchstens 300 überlebt. Ich wünsche mir, dass in diesem unserem Lande
niemand mehr die „Goschn aufreisst“, ohne an die Augen dieser Kinder zu denken.
Kinderaugen ... Bilder ... Bilder, die
immer noch wehtun ....
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beiden Ereignisse näher einzugehen. Aber auch diese Bilder sind heute noch
gegenwärtig in den Herzen der Betroffenen ...
Wie weit Sie sich auf das Thema dieser
Ausstellung und auf ihre Bilder einlassen, liegt in Ihrem Ermessen. Wohl auch
in Ihrer Biographie und der Ihrer Eltern und Großeltern.
Sie finden im Rahmen der Ausstellung neben
den Bildern auch viele Zusatz-informationen. In einem kleinen Heft sind diese –
mit Gedichten – zum Mitnehmen und Vertiefen zusammengefasst. Reader
Sinowatz oder ich?
Einige Bücher und CD’s mit Musik aus
Theresienstadt liegen auf.
Hier auf die Biographien der Künstler
einzugehen, die in dieser Ausstellung und der heutigen Eröffnung zu Wort und zu
Gehör kommen, würde den Rahmen sprengen.
Nur so viel zu den Künstlern, nähere
Informationen liegen zum Mitnehmen auf:
Ilse Weber,
von der viele Gedichte aus Theresienstadt erhalten und vertont sind, auch in
der Interpretation der norwegisch-jüdischen Sängerin Bente Kahan, ist am 6.Oktober
1944 in Auschwitz ermordet worden.
Gideon Klein
hat das Streichtrio, dessen ersten Satz wir am Anfang gehört haben, neun Tage
vor seiner Deportation nach Auschwitz im Oktober 1944 fertiggestellt. Er ist im
Jänner 1945 im Außenlager Fürstengrube umgekommen.
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Musik spielte in Theresienstadt eine
wichtige Rolle. Auch davon gibt die Ausstellung in Ansätzen Zeugnis. Alle
Musikstücke, die Sie heute Nachmittag hören, sind in Theresienstadt entstanden
oder zumindest fertiggestellt worden. ... (Klavier Ullmann)
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