Atheismus
In der Antike:
Je weiter wir in die Vergangenheit zurückblicken, desto
weniger Spuren des Atheismus finden wir. Es gab in alten Zeiten kaum Völker
ohne Religionen. Aus den fernsten Jahrhunderten erzählen nur noch Skelettfunde;
manchmal konnten sie durch ihre Grabbeigaben und Bestattungsform als
menschliche Überreste identifiziert werden.
Der Mensch ist nämlich der einzige der seine Toten ehrt. Der
Totenkult vergangener Jahrhunderte verkörpert den Glauben der Menschen über den
Tod hinaus.
Die ersten Spuren fanden wir bei den Griechen, die das Wort
Atheismus geprägt haben. Theòs heißt Gott und àtheos ist die Verneinung von
Gott. Leute die den herrschenden Gottesglauben nicht teilen, wurden als
Atheisten bezeichnet. Deshalb galten den Griechen bereits jene als Atheisten,
die die Götter des Staatskultes nicht anerkannten.
Auch die frühen Christen mussten sich gegen diese
Bezeichnung wehren, denn sie lehnten den römischen Stadtkult ab, besaßen keine
Tempel, keine Opferaltäre und keine Götterbilder.
Leute, die nicht an Gott glaubten erweckten in der alten
Welt viel Misstrauen. Man mochte und konnte sich die Welt ohne göttlichen
Hintergrund nicht vorstellen, da ihnen ja noch das Naturverständnis fehlte.
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Wegen dieser Aussage wurde Protagoras als Atheist
beschimpft.
Auch in Indien gab es vereinzelt atheistische Zweifel.
Mit dem Ende der Alten Welt verstummten die Zweifel mehr und
mehr und so kam es, dass. während des gesamten christlichen Mittelalters sich
kein Gotteszweifel, nicht bei Gelehrten, nicht im Volk regte.
Aufklärung und Atheismus:
Wenn in der Antike der Atheismus die Sache Einzelner war, so
gewinnt er jetzt eine breitere Basis. Das naturwissenschaftliche Denken löste
sich seit der Renaissance schrittweise vom christlichen Glauben und besann sich
auf eigene Gesetzte. Die Wissenschaft braucht die „ Arbeitshypothese Gott“
nicht. Schließlich lautete die Folgerung: Da die Wissenschaft Gott nicht
feststellen kann, außerdem auch ohne ihn auskommt, existiert er nicht.
Weitere Einflüsse kamen hinzu: Die Reformation spaltete das
Christentum; der Glaube verlor an Überzeugungskraft. Die anschließenden
Religionskriege weckten den Toleranzgedanken, der schließlich zur politischen
Notwenigkeit wurde.
Zu diesem Anlass schrieb Lessing „ Die Ringparabel“. Mit
dieser Parabel wurde die Frage nach der Wahrheit des Glaubens gegen die
Forderungen nach guten Leben eingetauscht.
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Als Herrscher von Gottes Gnaden führten sie auf kosten des
Volkes ein rauschendes leben und belasten damit den Gottesglauben. Schließlich
entluden sich Empörungen und Wut in der Französischen Revolution: Die „
Religion der Vernunft“ sollte das Christentum ablösen.
Fragen, die der frühe Atheismus aufgeworfen hat, sind immer
noch Fragen. Auch gläubige Menschen stellen sie. Glauben heißt hier, die Wucht
der Fragen aushalten, ihre Last nicht abschütteln, tiefer nachdenken, Vertrauen
mit Geduld verbinden, mit Hoffnung unterwegs bleiben.
Gott ist tot und wir haben ihn getötet
Als mit Charles Darwin in seinem Buch über die Entstehung
der Arten, die Schöpfung gegen die Entwicklung austauschten, glaubten viele,
damit sei das Ende des biblischen Weltbildes gekommen.
Friedrich Nietzsche versuchte diesen Naturforschern und
Atheisten die Augen zu öffnen. Die Menschen haben gar nicht verstanden, welche
neue Zeit mit dem Atheismus gekommen ist.
Er verkündet die lange Folge von Zerstörung, Untergang,
Umsturz, die nun bevorsteht.
Sein text setzt sich kritisch mit diesem Thema auseinander
und er spricht in metaphorischer Sprache und verwendet bewusst Provokationen.
Er beschreibt, einen Mann der Gott sucht und
Den Atheisten zuruft: Ihr und ich haben ihn getötet
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Unerklärbares geben, was sich die Atheisten irgendwann einmal eingestehen
müssen. Eine Welt ohne Gott wäre eine Welt ohne Hoffnung, Liebe, Vertrauen,
Gesetzte und Gnade. Jeder wäre nur mehr auf seinen Vorteil bedacht und verfolgt
starr sein Ziel. Wer wird uns nun diese Sünde verzeihen- wenn nicht Gott? Wo
werden wir nach unserem Tod sein, wenn nicht im Paradies?
Tatsächlich war der Atheismus nach Nitzsche nicht mehr so fortschrittsgläubig
wie im 19. Jahrhundert. Für Sartre ist der Mensch zur Freiheit verdammt, weil
er ins Dasein geworfen wurde und nun Angst und Verzweiflung zu seiner Existenz
gehören.
Die Herausforderung des Atheismus:
Die Geschichte des Atheismus zeigt, dass problematische
Gottesbilder zu ihrer Verneinung führen.
Zitat Heinrich Böll:
Ich glaube, dass man das Wort Gott für eine weile aus dem
Verkehr ziehen sollte; nicht Gott selbst und das was Gott gemacht hat. Denn
Gott ist in der heutigen Zeit ein Füllwort. Wenn einem nichts mehr einfällt,
sagt man: Bete zu Gott.
Der Atheismus sofern er nicht banal, primitiv, gedankenlos
oder verachtend ist, sondern zweifelnd, klug, herausfordert, muss von den
Christen nicht als Feind betrachtet werden.
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