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Armut und psychosoziale Risiken für Kinder .doc

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Faculty
Social Science
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Pedagogy
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University, School
Vechta
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2006
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Armut und psychosoziale Risiken für Kinder

1. Einleitung

In dieser Hausarbeit setzen wir uns mit der Frühförderung von Kindern auseinander, die in sozial randständigen und von akuter Armut betroffenen Familien aufwachsen und laut Ulrich Bleidick so drohenden Entwicklungsverzögerungen ausgesetzt sind.

„In gleichem Maße, in dem eine Gesellschaft Pauperität, soziale Vernachlässigung und kulturelle Deprivation bei Minderheitengruppen zuläßt, wächst auch der Anteil der mental Retardierten“ (Bleidick 1978, S. 210).

Dieses Zitat verdeutlicht, dass Bleidick einen deutlichen Vorwurf an unsere Gesellschaft richtet. Er ist der Ansicht, dass dem Thema Armut in Verbindung mit psychosozialer Deprivation in Politik und Öffentlichkeit nach wie vor nicht die Aufmerksamkeit entgegen gebracht wird, die es benötigen würde. Auch Hans Weiss ist der Meinung, dass dieses Thema in der Öffentlichkeit immer noch stark tabuisiert wird, obwohl es zahlreiche Studien, unter anderem von Bleidick gibt, die den deutlichen Zusammenhang zwischen sozialer Benachteiligung und Behinderung belegen.

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Auch auf die Frühförderung hat dieser tabuisierende Umgang mit Armut und deren Folgen Auswirkungen.

Im folgenden beschäftigen wir uns zunächst näher mit dem Thema Armut und den damit verbundenen Entwicklungsgefährdungen. Anschließend gehen wir näher auf das allgemeine Konzept der Frühförderung ein.

Zuletzt werden uns mit der Frühförderung von sozial benachteiligten Kindern und mit den „frühen Hilfen“ beschäftigen und die dafür notwendige Weiterentwicklung der Frühförderung aufzeigen.

2. Einstieg in das Thema Armut und psychosoziale Risiken

2.1. Was versteht man unter Armut?

In der Europäischen Union gelten Personen als arm, „die über ein Einkommen von weniger als der Hälfte des durchschnittlichen Pro- Kopf- Einkommens des jeweiligen Landes verfügen“ (Chassé, K.

A.: Armut in einer reichen Gesellschaft in: Frühförderung mit Kindern und Familien in Armutslagen, S. 14). Die Armutsgrenze liegt also bei 50 Prozent des durchschnittlichen bedarfsgewichteten Haushaltseinkommens. Hierbei spricht man von der „relativen Armut“. Neben der relativen Armut gibt es noch weitere Abgrenzungen von Armut.

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Betroffen von Armut sind heute neben alleinstehenden Arbeitslosen vorrangig kinderreiche Familien. In diesen Familien entstehen oft große Nachteile für die Kinder. Armut bedeutet „verzichten zu müssen auf (...) Güter wie Taschengeld, Geschenke, Gestaltung von Geburtstagen usw.; es beinhaltet (...) Einschränkungen sozialer Beziehungen, Verzicht auf Lerngelegenheiten, Restringierungen des Familienlebens durch Verzicht auf Urlaub oder Ausflüge oder auch durch die enge Wohnung“ (ebd.: S. 22).

Armut wirkt sich also in vielen zentralen Lebensbereichen einschränkend und belastend aus. Vor allem in den Bereichen Wohnen, Ernährung, Kleidung, Gesundheit und Teilnahme am kulturellen und gesellschaftlichen Leben etc. hat sie eine sichtbar negative Wirkung.

Aus diesem Grund bezeichnet Hans Weiss sie als ein „multidimensionales Phänomen“ (vgl.: Weiss, H.: Armut, Entwicklungsgefährdung und ²frühe Hilfen² in: Frühförderung interdisziplinär 13, S. 146).

2.2 Was sind psychosoziale Risiken?

Unter psychosozialen Risiken versteht man „psychische, soziale und ökonomische Bedingungen in der Umwelt eines Säuglings oder Kleinkindes, die die Entwicklung dieses Kindes beeinträchtigen und in solchem Maße hemmen oder stören können, dass diese Kinder später deutliche Entwicklungsverzögerungen, Lernbehinderungen oder Verhaltensstörungen zeigen“ (ebd.: S. 8).

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Die „Rahmenkonzeption zur Früherkennung behinderter und von Behinderung bedrohter Kinder in Baden-Württemberg“ (SM Baden-Württemberg 1998, S. 9) führt folgende psychosoziale Risikofaktoren auf:

·         deprivierende Lebensbedingungen ( unzureichende Befriedigung der Grundbedürfnisse nach Nahrung, Bewegung, emotionaler Sicherheit und kommunikativer Anregung)

·         psychische Störungen der Eltern oder eines Elternteils

·         Überbelastung bzw. Überforderung der Mutter

·         Alkoholismus / Drogenabhängigkeit der Eltern

·         Häufung ökonomischer Probleme (beengte Wohnung, Verschuldung, Sozialhilfe)

·         eingeengte Handlungs- und Erfahrungsmöglichkeiten

Diese Risikofaktoren treten besonders in einkommensschwachen, armen Familien auf. Besonders chronische Armut kann die Entwicklung eines Kindes enorm gefährden (vgl. ebd. S. 32). Diese Tatsache wird durch zahlreiche Studien belegt (Gehrecke 1958, Begemann 1970, 1984, Klein 1973, 2001, Orthmann 1993).

Laut Weiss sind folgende Probleme häufig in sozial benachteiligten Familien zu finden:

 

1.    Störungen der Mutter – Kind – Interaktion,

2.    Kindesvernachlässigung,

3.    Gesundheitsgefährdungen, biologische Risiken und Schädigungen

 

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V. (Hrsg.): Früherkennung von Entwicklungsrisiken, S. 29).

3. Wie wirkt sich Armut auf die Entwicklung eines Kindes aus?

3.1 Auswirkungen auf die Gesundheit

Laut Tony Mayr wirkt sich Armut sowohl prä-, als auch perinatal zunächst vor allem auf die Gesundheit eines Kindes aus. Hauptsächlich dafür verantwortlich ist eine unzureichende Ernährung, die oft einen erhöhten Mangel an notwendigen Nährstoffen wie z.b. Vitaminen, Ballaststoffen, Kalorien etc. aufweist.

Dieser Mangel kann beim Kind zu Störungen des Längenwachstums und der Gewichtszunahme führen. Pränatal kann eine Mangelernährung der Mutter, die zu Frühgeburten, Geburtskomplikationen und zu einem niedrigen Geburtsgewicht führt, verantwortlich für die schlechte Gesundheit des Kindes sein.

Eine chronische Mangelernährung des Kindes kann sogar zu einer Gedeihstörung führen, die hauptsächlich durch einen stetigen Kalorienmangel verursacht wird. Weitere Faktoren, die sich negativ auf die Gesundheit der Kinder auswirken, sind erhöhter Stress der Mütter, die geringe Nutzung der Vorsorgeuntersuchungen und häufiger Konsum legaler und illegaler Drogen.

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