Abromeit, Heidrun: Kompatibilität und Akzeptanz:
Anforderungen an eine integrierende Politie, in: Grande, Edgar / Jachentfuchs,
Markus (Hg.): Wie problemlösungsfähig ist die EU?, Baden-Baden: Nomos, S.
59-75.
Standort: Reader für das Proseminar der Orientierungsveranstaltung
S. 59-67
Gelesen am 11.11.2008
Fragestellung: Wie hängt die Kompatibilität mit der
Akzeptanz der EU zusammen?
Ansatz: „Gutes
Regieren [..] bedarf der Akzeptanz; doch in „zusammengesetzten Politien“ ist
Akzeptanz nur unter erschwerten Bedingungen zu haben.“ (Abromeit: 2000, 59)
1. Einleitung
Beim Zusammenhang von Regieren und Akzeptanz werden entweder
die Bedingungen effektiven Regierens im Mehrebenensystem oder die
Legitimationsproblematik betrachtet. „Kompromißfindung auf supranationaler
Ebene sollte folglich nicht nur nationale Interessen, sondern auch die
nationalen „polity-ideas“ in Rechnung stellen.“ (Abromeit: 2000, 59). Akzeptanz
ist bei zusammengesetzten Politien nur schwer zu erreichen und benötigt daher
Aufmerksamkeit, der Text will das Konzept der „output-Legitimation“
relativieren. Der Text versteht sich als Anregung zur weiteren Forschung mit
der Frage, ob an dem wachsenden Unbehagen der europäischen Integration auf die
nationalen Kompatibilitätsprobleme zurückzuführen ist.
2. Akzeptanz
2.1. Zum ´Begriff
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Die Definition des Begriffs wird verschieden aufgefasst,
angefangen bei einem sinngemäßen Hinnehmen bis hin zur aktiven Unterstützung. Der
primitivste Indikator für Systemakzeptanz wäre ein Ausbleiben von
Massenemigration und Rebellion, das nächste das Ausbleiben von Protesten was
allerdings von oppositionellen Protesten unterschieden werden muss, diese
tragen zum Teil zur Systemzufriedenheit bei.
Am besten geeignet sind positive
Indikatoren wie die aus Umfragen gewonnene positive Resonanz. Bis zu einem
gewissen Schwellenwert kann die Systemakzeptanz durch Aufzeigung der
Nicht-Akzeptanz anderer Politiken erreicht werden. Drei Hauptfaktoren sorgen
für Systemakzeptanz: Das politische „output“ (subjektiv!), individuelle Rechte
und Beteiligungschancen und gemeinsame Werte die eine Identifikation mit dem
System ermöglichen.
2.2 Zur Akzeptanz europäischer Politik
Es werden einige Zahlen genannt die zeigen, dass die meisten
nationalen Akzeptanzen in Hinsicht auf die unterschiedlichen Zahlungen an die
EU nicht in Relation zueinander stehen, das heißt zum Beispiel einige Länder
die Geld von der EU erhalten haben eine niedrigere Akzeptanz als der höchste
Zahler (Deutschland). Es lässt sich kein genauer Zusammenhang finden.
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3. Kompatibilität
3.1 Die These
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Kompatibilität ist ein Problem in zusammengesetzten
Politien, da es (hier) die strukturelle Verträglichkeit politischer Entscheidungsebenen
bezeichnet. Möglicher Faktor der Akzeptanz ist, ob die Kulturen und politischen
Strukturen der Teileinheiten zusammenpassen. Vorgelegte These: „“Verträglich“
– so die hier vertretene These – ist die neue Politie dann, wenn sie die Rechte
weder entwertet noch außer Kraft setzt.“ (Abromeit: 2000, 64).
3.2 Europäische Inkompatibilitäten
a) Föderalismus
Der Föderalismus ist ein System, in welchem Integration
leicht durchführbar ist. Dies ist der Fall, weil Teilnehmer alle genügend
Rechte beibehalten und eigenes Bestimmrecht für ihre wichtigsten Kerninhalte
die ihre Identität ausmachen, vor der höheren Instanz zugesichert bekommen. Die
EU weißt allerdings seit langem eher Strukturmerkmale eines dezentralisierten
Einheitsstaates auf, da die Mitgliedsstaaten keine Autonomie und
bundespolitisches Mitspracherecht gesichert haben.
b) Demokratie und Parlamentarismus
Das Bundesverfassungsgericht entschied bei einer Prüfung des
Maastrich-Vertrages, dass es keine Inkompatibilitäten zum eigenen System gibt,
obwohl sich die Machtverschiebung von der Legislative zur Exekutive und die
Verlagerung der Entscheidung aus der parlamentarischen Legitimation in
Politiknetzwerke darin einschließt.
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c) Souveränität
„Jede supranationale Politie, sofern sie ein eigenes, das
ihrer Mitglieder überlagerndes Rechtsetzungsrecht für sich in Anspruch nimmt,
stößt unvermeidlich mit dem Grundsatz nationalstaatlicher „Souveränität“[..].“
(Abromeit: 2000, 68).
d) Inkompatibilität und Akzeptanz
Die erläuterten Indizien zwischen einem Zusammenhang der
Akzeptanz und Kompatibilität muss weiter differenziert werden. So muss zum
Beispiel zwischen Bevölkerung und politischer Klasse unterschieden werden (da
diese zum Teil sehr stark variieren) – für eine erfolgreiche supranationale
Politie bedarf es allerdings beider Zustimmungen, empirische Daten gibt es zu
dem Thema Akzeptanz - Kompatibilität noch nicht.
4. Anforderungen an eine zusammengesetzte Politie
„Auf Grund theoretischer Überlegungen müsste gerade in
zusammengesetzten Politien der zweite Faktor [Anm.: die individuellen
Rechte und „Opportunitätsstrukturen“] der entscheidende sein; entsprechend
wurde als Mindestbedingung für die Akzeptanz hier die
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strukturelle Systemverträglichkeit im Sinne der Erhaltung
von Rechten und Beteiligungschancen formuliert. Diese Mindestbedingung ist in
der EU nicht gegeben [..]. Eine erste Folgerung aus den hier vorgelegten
Überlegungen ist die Aufforderung an die Empiriker, sich dem Thema „diffuse
Unterstützung für die EU“ differenzierter zu nähern und die
Kompatibilitäts-Aspekte mit zu berücksichtigen.“ (Abromeit: 2000, 72).
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