-
Aufgabe des L: Den Kindern in der Schule Raum für individuelle
Erfahrungen schaffen
a)
Erfahrungen mit Schrift:
-
Beherrschung von Lesen und Schreiben fundamental wichtig zur
Lebensbewältigung
-
Für Kinder erschließt sich durch Schrift eine völlig neue Welt
-
Vorwissen der Kinder heute:
o
Erste Schrift- und Schreiberfahrungen à Kinder können eigenen Namen malen
o
Wahrnehmungs- und motorische Erfahrungen als Voraussetzungen für
Schriftspracherwerb à zeichnen,
malen, basteln, etc.
o
Problem: Schere zu Beginn sehr groß à einige Kinder können bereits Lesen + Schreiben, andere
hatten bisher kaum Kontakt mit Schriftsprache à
gleichschrittiger Vermittlungsprozess von Schriftsprache wird unmöglich
-
Schwierigkeit: Einsicht, dass Buchstaben Symbole für bestimmte
Laute darstellen (phonologische Bewusstheit)
-
Vermittlungsprozess stärker individualisieren:
o
Anregende Umgebung für weitere Schrifterfahrungen vorbereiten
(Allgegenwart der Schrift, Leseecke, Klassenbibliothek, etc.)
o
Rhythmisierung des Schulalltags durch Schrift, Wörter und andere
Symbole
o
Kommunikative Bedeutung der Schrift durch Briefe (Korrespondenz
mit L, höheren Klassen, Eltern, etc.) und kleine Texte (Erzählen, Vorlesen)
vermitteln
b)
Verschiedene Zugangsweisen beim Erlernen der Schriftsprache:
-
Materielle Handlungsebene:
o
Buchstaben legen à mit
Seilen, Dominosteinen, Muggelsteinen
o
Buchstaben erfühlen à
Material: Holz, Plastik, Styropor, etc.
o
Buchstaben formen à
mit Knete
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à
Buchstaben dann immer nachfahren, -laufen mit offenen oder geschlossenen Augen
-
Ebene der äußeren Sprache:
o
Buchstabe mehrmals groß auf großes Blatt schreiben und dabei
mitsprechen
o
Wörter finden, die mit bestimmtem Buchstaben anfangen
o
Buchstabe+ Wörter mit diesem Anfangsbuchstaben in Zeilen
schreiben + mitsprechen
-
Ebene der Anbahnung von Automatisierung:
o
Gegenstände malen, die Buchstaben im Wort enthalten, dann Wort
schreiben
o
Buchstaben aus Zeitungen und Zeitschriften in verschiedenen
Schrifttypen ausschneiden und damit Wörter zusammensetzen
-
Weitere Möglichkeiten:
o
Erwerb eines neuen Buchstabens emotional verankern, z. B. E-Fest
feiern
o
Gruppenarbeit: aus den Körpern der Kinder Buchstaben bilden
o
Etc.
-
Verhalten des L:
o
Fehlverhalten zu Beginn nicht bestrafen à auch Raten der Kinder als Bemühung verstehen, Wörter zu
entschlüsseln
o
Kinder dazu animieren ihre Lesestrategien zu verbalisieren à Hilfe für Mitschüler, positive
Verstärkung der Anwendung von Strategien
c) Die
Erfahrung mit Menge, Größe und Form:
-
Bei Mengen Lebens- und Schulalltag des Kindes als Erfahrungsraum
nutzen:
o
Anzahl der Familienmitglieder und darauf bezogen die Anzahl der
Teller, Tassen, Gabeln, etc. auf dem Essenstisch
o
Mit Hausnummern, Geburtstagen und Geburtstagsgästen, mit Größe,
Gewicht und Anzahl der Kinder rechnen
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o
Etc.
-
Formübungen:
o
Legen verschiedener geometrischer Muster (Parkettieren)
o
Geometrische Formen im Alltag erkennen und zuordnen
à Mathematik als Hilfsinstrument zum
Begreifen der Realität und nicht umgekehrt
(Hacker
1992)
-
Beginn des institutionalisierten Lehrens und Lernens ist ein
„critical live event“ (nach Einsiedler) à
Identität/Selbstkonzept des Kindes erfährt eine Umstrukturierung
-
Aufgabe der Schule: verantwortliche Persönlichkeitsbildung à positives Selbstbild und
Fähigkeits-Selbstkonzept
-
Konkrete Realisierung:
o
Abwechslung von Arbeits- und Besinnungsphasen
o
Besinnungsphasen nach besonders intensiven Aktivitätsphasen und
am Ende des Schultags zum Ausklang à
hilfreich: Entspannungsmusik, ruhige L-Stimme
o
S sollen sich ihres Tuns bewusst werden, indem sie dieses
verbalisieren und darüber nachdenken
o
Kinder sollen den eigenen Körper und dessen Funktionen wahrnehmen
um sich selbst bewusst zu werden
o
Erfolge und Lernfortschritte sichtbar machen
(Themenheft
Grundschule)
-
es ist in der Schule zweifelhaft, ob
o
Kinder am Schulanfang erfahren was es heißt Mündig, tolerant,
selbstdenkend, verantwortungsvoll zu sein
o
in 45- Minuten Fächerhäppchen etwas von der Vernetztheit von Welt
verstehen
o
durch Belehrung die Leistungsstärken selbstbewusst entwickeln
können
-
KMK 1997 empfiehlt jahrgangsübergreifende Klassen
-
Jenaplanmodell:
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o
Klassen umfassen drei Jahrgänge
o
in 400 holländischen Schulen umgesetzt
-
Unterricht nach dem Modell
o
wichtig ist verlässlich strukturierter Rhythmus mit Phasen freier
und gebundener Tätigkeit, individuellem und gemeinsamen Handeln
o
offener Anfang in Gleitzeit: Begegnung von Jüngeren und Älteren
im offenen Spiel- und Arbeitsangebot, Kinder arbeiten in der Rolle von Experten
mit Anfängern zusammen
o
Morgenkreis: daraus entwickelt sich Gesprächskultur,
unterschiedliche Lebenserfahrungen treffen aufeinander→ Toleranz,
Erweiterung des Horizonts
o
Arbeitsblöcke: Angebot eines vollständigen Lehrstoffs (ganzes
Alphabet + Buchstabentor), methodisch vielfältiges Material auf das
selbstständig zugriffen werden kann, über gleiche Arbeitsabläufe wird Überschaubarkeit
und Sicherheit im methodischen Gebrauch geübt
→ L. gewinnt Freizeit, um
sich einer kleinen Gruppe fördernd zu widmen
o
Pause mit Frühstück als gemeinschaftliches Element
o
zweite Arbeitsblock: beginnt mit Lese- und Vorlesezeit, es wird
sich längere Zeit der Erarbeitung einer komplexen Sache gewidmet (z. B Farben
und Gefühl), Vorbereitung und Begleitung durch Lehrerteam
o
zum Lernprogramm gehört tägliche Reflexion
o
der jahrgangsübergreifende Schulanfang bietet Chancen:
§
Rollenwechsel vom Anfänger und Experten kann mehrmals durchlebt
werden
§
Verweildauer in Stammesgruppe nicht von vornherein festgelegt →
Problem Sitzenbleiben / Überspringen einer Klasse gelöst
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Vorkenntnisse von Schulanfängern:
(Untersuchungen von Siegfried Schmidt und Werner Weiser
1982)
-
Gemessen an den Rahmenplanforderungen haben Kinder zum Teil
erhebliche Vorkenntnisse im mathematischen Bereich. Allerdings bringen
Schulanfänger unterschiedlich viel Wissen mit
ð
Schlussfolgerung: Vorkenntnisse differenziert erfassen,
jedes Mal neu prüfen, wo die Kinder stehen, um sie an der richtigen Stelle
abzuholen, Differenzierung von Anfang an
Vorgehensweise:
-
Ganzheitliche Zugänge wählen in größeren Zahlenräumen: Nach der
Überprüfung der Vorkenntnisse der Kinder, kann der Zahlenraum abgesteckt
werden, in dem die mathematischen Aktivitäten zunächst vorrangig stattfinden.
Dabei soll den Kindern genügend Material zur Verfügung gestellt werden
-
Individuelles Wissen über Zahlen erfassen:
o
Anfertigung eines individuellen „Zahlenbruchs“, in dem Kinder ihr
Wissen, ihre Bilder über die Zahlen festhalten können (Anregungen zur
Ausgestaltung Z. B. durch Absprache von Themenbereichen: Klassenzimmer,
Schulweg, Märchen, etc.)
o
Sortieren und Ordnen nach Merkmalen kann und soll mit Zahlen
verbunden werden
o
Natürliche Differenzierung, da nicht vorgegeben wird, wie die
Aufgaben zu bearbeiten sind
-
Auch mit einzelnen Zahlen beschäftigen:
o
Kinder müssen lernen, die Zahlen zu schrieben und den Zahlzeichen
die entsprechenden Mengen zuzuordnen
-
Zahlzerlegung mit einbeziehen:
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