Karolina
Zimmermann
22.September
2007
Deutsch
LK (Bü)
1.
Semester
Analyse einer Rede
-Wahlrede
zum 14.09.1930 (Adolf Hitler)-
Der Nationalsozialismus hat
seine eigene Sprache entwickelt, die radikal und fanatisch war. Wie Klemperer
schon in seinen Tagebüchern vermerkte wurden Worte, wie „fanatisch“ und
„Fanatismus“, welche bereits Jahrhunderte vor dem „Dritten Reich“ erfunden
worden, nur durch den NS in ihrem Wert verändert und an einem Tag hat man sie
häufiger gebraucht als andere Zeiten in Jahren. (Vgl. Klemperer). Des Weiteren wurden
Wörter neugeschöpft oder wurden ihnen neue Bedeutungen zugeschrieben. Auch
findet man zahlreiche Euphemismen wieder.
Dies spiegelt sich auch in der
zu analysierenden Wahlrede Adolf Hitlers zum 14.September 1930, welche am
11.9.1930 im „Westdeutschen Beobachter“ gedruckt wurde, wieder. Die Absicht der
Rede war das deutsche Volk dazu zu überreden/ davon zu überzeugen bei den
anstehenden Wahlen für die NSDAP zu stimmen –somit an potentielle Wähler zu appellieren.
Die Erzählperspektive der
Rede lässt sich in 4 Teile teilen. Im ersten Teil, der in Zeile 1 beginnt und
sich bis Zeile 35 vollstreckt, wird von der NSDAP in der 3.Person Singular
geredet, was den Eindruck verschafft, sie würde von einer objektiven außen
stehenden Person, einem auktorialen Erzähler, vorgestellt, wobei auch auf die
Wahlversprechen eingegangen wird. Dies lässt sich in Zeile 4 nachweisen: „Sie
wird dieses Volk zu eiserner Entschlossenheit erziehen.“
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wo Hitler sagt:„Wir werden dafür sorgen, dass an die Spitze aller Reformen die
Reform unseres Wehrwillens gestellt wird [..].“
Im 3.Teil, der sich von
Zeile 56-81 hinzieht, wird eine Warnung an das deutsche Volk ausgesprochen sich
vor der „Korruption“ in Acht zu nehmen (Z. 56). Die Ansprache des Volkes im
Ganzen ist ein Mittel um den Gemeinschaftssinn zu wecken, welches ein immer
wiederkehrendes Merkmal des NS ist.
Im letzen Teil, der in Zeile
75 beginnt und sich bis zum Ende der Rede streckt, wird an den „Volksgenossen“
(Z. 77) als Individuum ein Appell gerichtet für die NSDAP zu stimmen.
Hitler benutzt die direkte
Rede im letzten Teil seine Rede, damit die Aufmerksamkeit sich genau auf diese
Passage richtet. Durch die direkte Ansprechrache –erst als Gemeinschaft und
dann als Individuum- fühlt der Zuhörer sich stärker involviert und auch
persönlich betroffen, was die These der Überzeugung und Gewinnung von Wählern
unterstützt.
Was an der Rede äußerst
auffällig ist, sind die vielen typischen Stilmittel des Nationalsozialismus:
Angefangen mit den
übertriebenen Wiederholungen von Einzelworten (was Victor Klemperer auch schon
in seinen Tagebüchern vermerkte). So die ständige Wiederholung vom „(deutschen)
Volk“ welches sich durch die ganze Rede zieht wie in Zeile 3 und 4, als auch
die Wiederholung von „Siege“, das sich beispielsweise in Zeile 1 und 42
wiederfindet und die Wiederholung des Datums der Wahlen „14. September“ in
Zeilen 62 und 80.
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Wie auch Goebbels in seiner
Rede in den Berliner Turnhallen (1933) benutzt Hitler eine recht einfache
Sprache und meidet Fremdwörter. Jedoch benutzen beide Fremdwörter zur
Beschreibung des Negativen, wie in Zeile 11/2 die „Inflationsdieberei“ oder der
„Revolutionsbetrug“. Dies spiegelt sich auch in Zeile 19 wieder in der Hitler
die „Feinde“ als „Parasiten“ bezeichnet.
Wiederfinden lassen sich
ebenfalls typisch nationalsozialistische Begriffe wie „Volksgenosse“ (Z. 77),
„Reichs-(..)“ (Z. 72) und „Landesverräter“ (Z. 13).
Die typische metaphorische
Untermauerung durch harte, oftmals aus dem industriellen Bereich stammende,
Adjektive wie bei „eiserner Entschlossenheit“ in Zeile 4 weist auf die Härte
der Sprache hin und gibt auch einen indirekten Hinweis auf die Härte der
Herrschaft, die herrschen wird, sobald die Nazis an die Macht kommen.
In Zeile 58/9 ist auch eine
Klimax wiederzufinden, der die Steigung von Bauer, zu Arbeiter und schließlich
zum Beamten darstellt. Diese Klimax kann man sogleich als Paradox bezeichnen,
da am Anfang der Rede in Zeile 2-3 davon geredet wird den „Klassenwahn“ abzuschaffen.
Solche Widersprüche werden getarnt, in dem andere Parteien schlecht geredet
werden und Wahlversprechen schon gleich von Anfang an geäußert werden und somit
die Konzentration des Lesers auf diese Punkte lenken, sodass widersprüchliches
einfachüberdeckt oder untergraben wird. (Dies finden wir ebenfalls in der
Goebbels-Rede wieder.)
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Textes. Z.B. durch die typische ständige Wiederholung von „Volk“ fühlt sich das
Volk erst recht angesprochen und vor allem beachtet und ernst genommen was in
Wahlen äußerst wichtig ist.
Im Großen und Ganzen ist
diese Rede eine intelligente Zusammenstellung stilistischer Mittel. Selbst
jemand der nur mit halbem Ohr hinhört bekommt die Kernessenz der Rede mit,
welches durch die oben genannten hervorgerufen wird. Unbewusst absorbiert man
die Sprache (nach Klemperer) und die Ideale, da sie so oft wiederholt werden,
dass man es als selbstverständlich und „normal“ ansieht.
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