4.
Soziologische Grundbegriffe
Besonders die Soziologie hat sich um
die Erklärung der Erscheinung der von „Gesellschaft“ und der darin
eingeschlossenen Tatsache, dass menschliches Verhalten immer eine (wie auch
immer geartete) Form des sozialen Handelns, der Interaktion darstellt, verdient
gemacht. Begriffe wie Norm, Rolle, Sanktion etc. sind längst in den allgemeinen
Sprachgebrauch eingegangen. Was sie aber in wissenschaftlicher Diktion besagen
und wie sie auf vorliegenden Gegenstand des Alltags von Schulkindern zu
beziehen sind, darauf sei im Folgenden eingegangen.
4.1 Normen
Unter Normen werden in der
Soziologie Vorschriften verstanden, welche sowohl allgemein gültig als auch
(aufgrund ihres allgemeinen Charakters) verständlich sind und sich in direkter
oder indirekter Weise an in einer Gesellschaft verbreiteten Wertvorstellungen
orientieren.
Normen sind somit nicht lediglich
Vorschriften, an denen sich Handlungsweisen auszurichten haben; Normen kommt
nur dann und insoweit praktische Bedeutsamkeit zu, als sie sich gewissermaßen
im Bereich der Moral und der Werte einer Gesellschaft verankert sehen. Normen
enthalten folglich zwei Seiten: sie strukturieren die Wirklichkeit und bieten
zugleich Orientierung.
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Mitmenschen hin angelegt, als solches vielfach geregelt bzw. normiert und somit
weithin geordnet und stabilisiert.“ Die weiter oben behandelten (schulischen) Normbrüche
in räumlicher oder etwa territorialer Hinsicht (Verstöße also gegen das
Gewohnte, gegen das, was gewissermaßen vereinbart ist, gegen implizite und
explizite Handlungsanweisungen) stehen dafür beispielhaft.
4.2 Sanktionen
Unter Sanktionen werden in der
Soziologie Reaktionen auf ein Verhalten verstanden, welche dazu dienen sollen,
ein gesellschaftlich erwünschtes Verhalten herzustellen. Es ist jedoch wichtig,
hierbei zwischen positiven (verstärkenden) und negativen Sanktionen
(bestrafenden) zu unterscheiden. Sanktionen sind somit zentraler Bestandteil
der sozialen Kontrolle gesellschaftlicher Zusammenhänge.
Sanktionen treten in Kraft, wenn im
Rahmen von Interaktionsprozessen abweichendes Verhalten korrigiert oder aber
funktionales, zuträgliches Verhalten unterstützt und gefördert werden soll. In
diesem Sinne dienen Sanktionen der Absicherung von Normen und damit zugleich
der Aufrechterhaltung bestimmter Interaktionsformen.
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Dass Normbrüche in der Regel
unmittelbar Sanktionen nach sich ziehen, sahen wir weiter oben;
Territorialverletzungen werden nicht einfach hingenommen, sondern (verbal,
physisch) bestraft. Geschieht dies nicht, findet eine Außerkraftsetzung oder
Verschiebung der bisherigen Norm statt. Anders ausgedrückt: „durch die
Sanktion wird die Norm erst gesetzt oder präzisiert.“
4.3 Aushandlungen
Unter Aushandlungen werden in
der Soziologie alle jene Prozesse im Rahmen von Interaktionen verstanden, die
darauf abzielen, gemeinsame Handlungs- und/oder Lösungsstrategien zwischen
unterschiedlichen Interessenlagen herzustellen.
Aushandlungen beziehen sich somit auf
einen negativen Ausgangspunkt, suchen diesen aber im Interesse der Vermeidung
der offenen oder gewaltsamen Austragung von Konflikten in eine Form zu bringen,
welche zwar die (negativen) Voraussetzungen Prämissen nicht beseitigt, jedoch
nach Lösungsstrategien sucht, denen die beteiligten Parteien dennoch wenigstens
zustimmen können. Aushandlungen sind somit (als Formen des Kompromisses) immer
auch mit dem Aspekt des (sozialen) Wandels verbunden.
Aushandlungen sind praktikable
Lösungen, da es angesichts eines „nahezu unentwirrbaren Knäuels einer
Pluralität von Wünschen, Zielvorstellungen, Diagnosen und Zukunftsplänen [.]
schwer [fällt], einzelne umfassende Entwürfe über Struktur und Wandel, Ordnung
und Konflikt wissenschaftlich verbindlich zu begründen.
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5.
Abschließende Bemerkungen
Dass sie darin in jeder nur
erdenkbaren Hinsicht seitens des Lehrpersonals sowie pädagogischer Fachkräfte
aktiv unterstützt werden sollten, muss nicht erst vor dem Hintergrund der
jüngsten Gewaltexzesse eines jugendlichen Amokläufers an einer Realschule
betont werden.
Die Fähigkeit zum Gespräch und zur
Entwicklung und Umsetzung von Lösungsstrategien, die auch den Verzicht und das
Zugeständnis als Grundlage für den Dialog einschließen, muss von den Kindern
geübt und gelernt, im wahrsten Sinne des Wortes in der Praxis erworben, seitens
der Erwachsenen aber immer auch „vorgelebt“, werden. „Inhaltlich geht es um
einen fortschreitenden Übergang von der Fremd- zur Selbsterziehung, für den die
Kinder und Jugendlichen Hilfe und Unterstützung bei glaubhaften und für sie
verfügbaren Erwachsenen suchen.
Es geht um die Entwicklung von
Autonomie, die sich in einem dialektischen Spannungsverhältnis zwischen selbst
gestalteter Identität und der unverzichtbaren Verbundenheit mit anderen
ausdrückt. Kinder sind in ihrer Entwicklung angewiesen auf andere, brauchen
Gemeinschaft und die Erfahrung des Verbundenseins mit anderen, die sie
respektieren und akzeptieren.“
Literaturverzeichnis
Bellebaum,
Alfred: Soziologische Grundbegriffe, 13. Aufl., Stuttgart 2001
Krappmann,
Lothar: Oswald, Hans: Alltag der Schulkinder. Beobachtungen und Analysen von
Interaktionen und Sozialbeziehungen, München 1995
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Maindok,
Herlinde: Einführung in die Soziologie. Leitthemen, Theorien, Grundbegriffe,
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Preuschdorf,
Gisela: Von 6 – 9. Alltag mit Schulkindern, Köln 2000
http://www.sueddeutsche.de/panorama/165/461787/text/,
16.03.2009, am 16.03.2009
http://www.sueddeutsche.de/panorama/192/375001/text/,
29.05.2006, am 17.03.2009
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