Joscha Kükenshöner, Matr.Nr. 4134772, email: kjoscha@gmail.com
Olav Slaymaker (1997):
A Pluralist, Problem-focused Geomorphology
Der Text "A Pluralist, Problem-focused Geomorphology" aus dem
Jahre 1997 von Olav Slaymaker bemängelt den Verlust von gesellschaflicher
Relevanz der Geomorphologie aufgrund zweier Defizite der veralteteten
philosophischen Paradigmen und dem fehlenden zentralen Konzept und versucht
hierfür Alternativen bzw. Lösungsvoschläge aufzuzeigen.
So kritisiert Slaymaker, dass die heutige Geomorphologie von dem
veralteteten und auf die wissenschaftlichen, europäischen Traditionen des 18.
und 19. Jahrhunderts zurück gehende Leitbild des Positivismus dominiert wird
und sich gleichzeitig in einer "divergierenden Phase mit hoher
Pluralität" befindet. Dieser Spaltung der Geomorphologie in ihre
Einzeldisziplinen liege das Fehlen eines zentralen, vereinigenden Konzeptes
zugrunde.
Schon in den 60er Jahren erkannten einige Geomorphologen, darunter vor allem
Richard J. Chorley, dass allgemeine System-Theorien in ihre Wissenschaft mit
eingebunden werden müssen, wenn gesellschaftlicher Bezug hergestellt und somit
angewandten Fragestellungen begegnet werden soll.
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Diesbezüglich wird auf mehrere Artikel eingegangen. So untertützen R.
Hanies-Young und J.R. Petch in einer 1985 erschienenen Arbeit Slaymakers These:
Eine wirklich vereinigte Geomorphologie müsse eine Form von Pluralismus
annehmen, die sich über den Positivismus ausbreitet.
K.W. Butzer erkannte diese
Notwendigkeit schon 20 Jahre vorher, vor allem hinsichtlich der Gefahr von
Fragmentierung und Über-Spezialisierung. Hingegen stempelt E.Yatsu (1992) all
diese Vorstellungen als "fanciful" ab.
Anschließend listet Slaymaker Forschungsgegenstände, Einzeldisziplinen
und benachbarte Wissenschaften auf. Geomorphologie befasse sich mit
Landschafts-formenden Prozessen, Zusammenhängen zwischen diesen Prozessen und
geologischer Struktur, langfristigen Landschaftsentwicklungen,
gesellschaftlichen Folgen von Veränderungen der Erdoberfläche etc. Es gäbe mit
Morphografen, Energiefluss- und Stufflussexperten, historisch-genetischen,
funktionalen und angewandten Geomorphologen mindestens 5 Gruppen von
GeomorphologInnen, wobei diese gemeinsame Interessen mit zahlreichen
Wissenschaften, wie der Ökologie, der Astronomie, der Geologie oder der
Geophysik aufweisen. Obwohl Pluralismus bei solch einer Vielfalt an
Interdisziplinarität offensichtlich und zwanghaft scheint, mache sich dieser
wenig bemerkbar.
In den folgenden Abschnitten geht Slaymaker gesondert auf die beiden
erwähnten Mängel in der Geomorphologie ein.
1. Die
Notwendigkeit des Pluralismus
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Extremfall auf reine Experimente basierende Erkenntnisgewinnung zwar handfeste
und nur schwer anfechtbare Ergebnisse, biete jedoch auch keine Flexibilität für
Entscheidnungsträger. Der Gegenpol zur reinen Analytik, die intuitive
Beurteilung von Sachverhalten sei unabdingbar für angewandte
GeomorphologInnen, BeraterInnen und GeomorphologInnen, die sich mit
langfristiger Landschaftsentwicklung befassen, da die klassischen experimentellen
Methoden nicht für die Erklärung komplexer, ölologischer Systeme ausreichen.
Bei der Geomorphologie handle es sich um eine "multi-tiered"
Wissenschaft, bei der Erkenntnisse, welche auf einer Ebene gewonnen wurden
nicht zwanghaft auch für anderen Ebenen gültig seien. Die Faktoren, die diese
Übertragbarkeit behindern sind nach S.A. Schumm (1985): Skala, Lage,
Konvergenz, Divergenz, Einzigartigkeit, Sensitivität und Komplexität. Schumm
und Slaymaker wollen damit darlegen, dass Erklärungen funktionaler
Geomorphologie, egal wie stichhaltig sie sind, nicht allein für die Erklärung
langfristiger Relief-Entwicklungen genügen. Somit dürfe die Geomorphologie
nicht eine rein nomothetische, also gesetzgebende Wissenschaft bleiben.
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Aspekte der Geomorphologie ausgeschlossen. Während der limitierende Faktor
dieser Philosophie in der Humangeographie schon früh erkannt wurde, sei die
physische Geographie und damit die Geomorphologie bei der "normalen
Wissenschaft" geblieben und habe dabei stetig an Wichtigkeit für
Entscheidungsträger, welche die Unverträglichkeit mit sozialen Aspekten
erkannten, verloren.
Als die für ihn vielversprechendste Philosophie zur Erweiterung der
geomorphologischen Paradigmen im Zuge des Pluralismus nennt Slaymaker den
Realismus. Dieser sei anti-positivistisch und u.a. durch die Unterscheidung
zwischen Prozess und seiner räumlichen und zeitlichen Verteilung
charakterisiert.
Slaymaker ist wie schon P.R. Gould und G. Olsson im Jahre 1982 der
Meinung, dass alle Wege der Erkenntis genutzt werden sollten und eine
holistische, angewandte Geomorphologie anders nicht möglich sei. Am Beispiel
des Positivismus/Pluralismus zeige sich jedoch, welche große Rolle
intellektuelle Traditionen spielen.
2. Die
Notwendigkeit von zentralem Konzept und Problem-Fokus
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Jahre gab es mit dem Davis-Zyklus auch in der Geomorphologie ein solches, bevor
es dann aber in Verruf kam. Seit dem konnte die Geomorphologie laut Slaymaker
kein gemeinsames Verständnis ihrer Wissenschaft mehr entwickeln und musste eine
innere Aufspaltung in viele verschiedene Forschungsrichtungen über sich ergehen
lassen.
So sei es Slaymaker's Ziel mit seinem Artikel durch eine Erweiterung des
Sediment-Budget-Konzeptes einen Ansatz für ein neues zentrales Konzept zu
schaffen. Dabei handle es sich um ein Konzept der Erfassung von
Ablagerungsräumen, Transport-Prozessen und der Verknüpfung und Quantifizierung
dieser. Das Konzept sei genauso alt wie die Geomorphologie selbst und würde dem
entsprechend in einigen verschiedenen Auslegungen existieren. Trotzdem habe es
als Ansatz der quantitativen Beschreibung von Sedimentumlagerungen in einer
Raumeinheit das Potential zum einen traditionelle Fragen der Geomorphologie zu
beantworten und zum anderen die gesellschaftliche Relevanz von
Sedimentbewegungen durch die Betrachtung von Landformen als Teil eines
dynamischen Planeten zu erklären.
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